Gleich vorweg: Obwohl das Crime-Drama „
the Killer inside Me“ (2010) durchaus in die folgenden zwei „Richtungen“ tendiert, wird es letzten Endes jedoch weder der Umschreibung „empfehlenswert“ noch dem Label „Skandalfilm“ wirklich gerecht. Basierend auf einem (in gewissen Kreisen „berühmt-berüchtigten“) Roman des „Pulp“-Novellisten Jim Thompson, inszeniert von dem keinesfalls uninteressanten britischen Filmemacher Michael Winterbottom („the Road to Guantanamo“), bis in die kleinsten Nebenrollen anständig besetzt (u.a. mit Casey Affleck, Kate Hudson, Jessica Alba, Ned Beatty, Elias Koteas, Tom Bower, Simon Baker und Bill Pullman) sowie im staubigen Texas der 1950er angesiedelt, welches die Produktions-Designer im Übrigen mit sichtlicher Liebe zum Detail (Autos, Kleidung, Inneneinrichtungen etc.) wieder „auferstehen“ ließen, erzählt das Werk die klassische Geschichte eines „Wolfs im Schafspelz“, der sich im Verlauf immer tiefer in einen scheinbar ausweglosen Strudel aus Verbrechen und Gewalt hineinbewegt. Dieser wird dem Zuschauer im Rahmen seiner kompletten (mit zwei Stunden aber etwas zu lang geratenen) Laufzeit atmosphärisch dicht, seitens der Akteure stark gespielt sowie in einem angepasst ruhigen Tempo präsentiert. Inhaltlich gibt es dabei allerdings keine allzu großen Überraschungen zu verzeichnen (unter der sauberen Fassade des Biedermanns verbergen sich finstere Abgründe, eine getroffene Entscheidung Schrägstrich Tat führt unweigerlich zur nächsten etc.) – und auch die Qualität der Charakterzeichnungen enttäuscht ein wenig: Etwa erfährt die wahre Natur des Hauptprotagonisten (bzw. die eigentlichen Wurzeln dieser) keine intensive Aufarbeitung (man muss sie sich selbst aus kleineren Fetzten zusammenstückeln) und reichen die Frauenrollen in ihrer Gestaltung ebenfalls nur selten über die Oberflächlichkeit derer in Storys vergleichbarer „Groschen-Kriminalromane“ hinaus. Die mancherorts für Aufruhr sorgenden Gewalt-Spitzen hat man kaltblütig und nüchtern arrangiert: Insbesondere die Szenen, in denen die zentralen weiblichen Parts missbraucht werden, sind ebenso intensiv wie schmerzhaft beizuwohnen. Trotz so einiger „zweifelhafter“ Verhaltensweisen und Gegebenheiten sehe ich aber dennoch (definitiv) keinerlei Anlass dazu, den Vorwurf der „Frauenfeindlichkeit“ zu bestätigen (der übrigens u.a. aus „hartem“ Sex sowie den Liebes-Bekundungen einer Dame resultiert, welche jene Worte äußert, während ein Mann ihr Gesicht gerade brutal „zu Brei schlägt“). Für Freunde des Autors sowie des Crime-Drama-Genres ist der Film mit Sicherheit einen Blick wert – allerdings kann ich (im Allgemeinen) problemlos nachempfinden, warum viele Zuschauer gewiss nicht „allzu warm“ mit ihm werden dürften. Abschließend zudem noch zwei kurze Anmerkungen: Zum einen büßt das gebotene Finale aufgrund „bestimmter Elemente“ der zur Schau gestellten Inszenierung leider ein merkliches Stück seiner Kraft ein – und zum anderen darf die durchweg echt großartige Musikauswahl im Rahmen einer Besprechung des Streifens auf keinen Fall irgendwie unerwähnt verbleiben...
„
the Last Exorcism“ ist einer dieser Filme, welche in den Medien (leider) „falsch“ vermarktet werden – allerdings aus durchaus nachvollziehbaren Gründen, jedenfalls wenn man das mal aus der betreffenden „geschäftlichen Perspektive“ heraus betrachtet: Es ist nämlich so, dass der Trailer bei einem „unkundigen (Mainstream-) Zuschauer“ leicht den Eindruck eines „gängigen“ (vordergründig-reißerischen) Horror-Thrillers erweckt – während das Werk an sich (stattdessen) vielmehr ein „waschechter Indie“ ist sowie in Wahrheit ungleich ruhiger, subtiler und cleverer (als die Werbung es vermittelt) daherkommt. Mit „Genre-Guru“ Eli Roth als Produzent im Rücken von dem deutschen Regisseur Daniel Stramm in Szene gesetzt, kommt der Streifen in dem inzwischen durchaus vertrauten Stil einer „Faux-Documentary“ daher – womit sich ja prima eine Form von „Authentizität“ generieren lässt, welche die unheimliche Atmosphäre noch zusätzlich verstärkt, da alles auf diesem Wege „weniger künstlich“ (will nicht sagen: „echt“) anmutet. Erzählt wird die Geschichte von Reverend Cotton Marcus (großartig: Patrick Fabian) – einem charismatischen Prediger, der das Wort Gottes bereits seit Kindertagen verkündet und bei seinen Zuhörern stets großen Anklang findet. Über die Jahre hinweg ist er allerdings zu der Erkenntnis gelangt, dass er eigentlich gar nicht wirklich mehr an Gott glaubt sowie dass durchgeführte Exorzismus-Rituale oft mehr Schaden als Nutzen anrichten – zumal es Dämonen in Wirklichkeit ja ohnehin nicht geben würde. Um aufzuzeigen, dass solche „Einwirkungen“ stets nur „weltlicher“ (psychischer und/oder physischer) Natur sind, lässt er sich nun also von einem Kamerateam begleiten, als er tief im Süden der USA dem „Hilferuf“ eines Vaters nachgeht, der davon überzeugt ist, seine Tochter Nell (ebenfalls hervorragend: Ashley Bell) sei von Satan (oder so) besessen… Die erste Phase des Films entpuppt sich als eine ruhige, amüsante und weitestgehend „Horror-freie“ Geschichte über Cotton´s Alltag, Ansichten und Methoden – bevor der Grundton immer düsterer wird, die „creepy“ Elemente zunehmend die Oberhand gewinnen und die „erwarteten Bahnen“ eingeschlagen werden, welche (trotz „PG-13“) relativ effektiv daherkommen. Am Ende gibt es dann noch einen unerwarteten (zwar passenden, allerdings zu überhastet präsentierten) Twist Schrägstrich Ausklang, der im Vergleich zum Rest jedoch ziemlich „over the Top“ anmutet und an dem sich gewiss die Geister klar scheiden werden – ich persönlich fand ihn „okay“. Von der gesamten Atmosphäre, Inszenierungsweise und den darstellerischen Leistungen her gefiel mir „the Last Exorcism“ wirklich gut: Die (wenigen) Schocks sitzen, die Handlung gleitet nie ins Lächerliche ab, das Skript ist smart und weiß zu unterhalten – auch wenn lange Zeit „nicht gerade viel” passiert (was wiederum einige im Publikum mit Sicherheit enttäuschen und gar langweilen dürfte). Kurzum: Ein interessanter „Indie“, den seine Marketing-Kampagne aber zu sehr nach einem „gängigen Mainstream-Flick“ ausschauen lässt – jedoch mit merklichem Erfolg, denn allein am US-Start-Wochenende spielte die Low-Budget-Produktion (u.a. auf diesem Wege) gleich auf Anhieb ein Vielfaches seiner Kosten ein…
knappe 