Six Bullets
Mittlerweile stellt sich für mich die Frage, ob man sogenannte Ostblock Filme nicht generell einer neuen Klassifizierung unterziehen sollte. Mit dem klassischen Action B-Movie Output vergangener Tage haben die aktuellen Vertreter irgendwie nicht mehr viel gemein. Gerade wenn man das Budget ins Auge fasst und mit dem älterer Vehikel vergleicht, macht sich die Inflation vielleicht nicht direkt auf dem Papier bemerkbar, wohl aber bei der Inszenierung, denn heutzutage bekommt man für 10 Mio. $, außer klischeehaftem Ostblock Look samt Hinterhof Sets einfach nichts mehr.

Selbst der stark inszenierte und aktuelle Vorzeige B-Movie „Sinners und Saints“ hat mit leeren Straßenzügen zu kämpfen, auch wenn hier geschickt die New Orleans Flutkatastrophe als Erklärung herhalten darf. Warum also nicht das Genre neu definieren und dem Wort O-Blockbuster eine neue Bedeutung geben? Neben dem erwähnten Setting hat das neue Kampfpommes Vehikel natürlich den Nachteil, dass der Plot stark an „Taken“ angelehnt ist und spätestens bei der Flughafen Photo Szene darf man getrost vom kleinen Bruder sprechen, der aber zudem etwas degeneriert wirkt. Wie schwach das Drehbuch und die Dialoge eigentlich sind, merkt man indessen am ehesten bei SGA Major John Sheppard, der hier einerseits heillos unterfordert aber angesichts des miesen Plots auch überfordert wirkt. Er stolpert durch die Gegend, stammelt vor sich hin und leitet die Entführung de facto mit seinem demonstrativen Duschen ein. Seine Alte ist da auch nicht viel besser, kann aber wenigstens mit Waffen umgehen, da ihr Dad ja bei der Army war, genau. Kommen wir nun zum Belgier selbst und ich will gar nicht mehr in die Kerbe Schauspielerei einschlagen, denn seine Performance ist eben einfach „van Damme“ mit Erfahrung, was ihn charismatischer erscheinen lässt, als noch vor 20 Jahren. Dafür ist er alt geworden, was sich auch in seiner Kampfchoreographie bemerkbar macht. Gut, er war eh noch nie schnell unterwegs, aber mittlerweile sind wohl auch seine Spagate und Kicks passé. Gerade die erste Actionszene wirkt trotz ihrer Brutalität ohne jede Durchschlagkraft und Wucht, wie man es beispielsweise in „Taken“ wunderbar präsentiert bekam. Hier muss sich der Belgier mit einem Messer in Nahaufnahme begnügen, weil es anscheinend für mehr nicht reicht. Wie schnell sich das Blatt wenden kann, zumindest wenn man ein Double benutzt, zeigt sich bei der Barschlägerei. Hier wischt „van Damme“ oder auch nicht, stellenweise schön aus der Totale gefilmt, natürlich vorteilhaft im Dunkeln und mit Maske, schnell und elegant durch. Dafür macht er auf Drama und ersäuft sein Trauma schön klischeehaft in Alkohol. Wenn man generell schon neue Wege beschreitet, wie etwa die Ritzattacke auf den Oberlump, dann hätte ich in diesem Fall auch etwas Neues erwartet. Warum nicht mal in Bulimie oder Borderline verfallen, als immer nur dem Alkohol frönen?

Immerhin lanciert man mit einem Glas und einem Kugelschreiber 2 nette Bond Gimmicks, die aber dann auch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass die finale Ballerei irgendwie schwach anmutet. Die Lumpen sind Mösen und können gar nix außer vom Hinterhof Befehle zu erteilen, kein Wunder, dass es einem relativ egal ist ob die nun drauf gehen oder nicht. Genauso schwach sind die Sets und die Metzgerei. Ich finde einfach, 3 Sorten Würste in einem Hinterhof sind noch keine Metzgerei und ungekühlte Schweinehälften im Hinterhof müssten eigentlich das Gesundheitsamt auf den Plan rufen. Immerhin fand ich die erste Stunde wirklich spannend und mein Gott, es gibt natürlich deutlich schlechtere Streifen im Ostbuster Bereich. Trotzdem, in der Summe ist der Streifen nix Halbes und Ganzes, irgendwie so unnötig wie der Spam bei LL, aber natürlich auch nett mit anzusehen.
