Star Trek Discovery - Staffel 1
Leichte Spoiler: Star Trek Discovery könnte die erste Trek Serie sein, die weder als Star Trek noch als eigenständige SciFi Serie funktioniert. Kurzweilig und unterhaltsam ist sie vielleicht gerade aufgrund dieses seltsamen Wirrwarrs. Das Star Trek neue Wege gehen musste, dürfte dem größten Fan klar gewesen sein, doch nach Staffel 1 bleibt maximal ein Trampelpfad übrig. Obwohl jede neue Star Trek Serie in ihren Anfängen kritisiert wurde, war die Seele, die utopische Illusion stets greifbar. Eine konkrete Utopie, die über 50 Jahre ein komplexes Universum schuf, welches sich nicht nur moralisch wie die Zukunft anfühlte, sondern auch als eine anzustrebende Gesellschaftsordnung. Selbst die vielfach gescholtene Prequel Serie „Enterprise“ transportierte diesen Geist in die Vergangenheit und das ohne den aufgesetzt wirkenden Fanservice wie ihn Discovery lanciert. Nun zeigt uns Discovery eine Zukunft, in der Gefangene als Müll und Abschaum bezeichnet werden, in der fremde Lebensformen für eigene Zwecke missbraucht und gequält werden und in der man eine Massenmörderin auf des Captains Stuhl setzt, welche im Auftrag der Sternenflotte GENOZID betreiben soll. Das ist zwar nicht neu, doch immerhin schob man diesen Schuh einst Splittergruppen (sektion-31) zu, die völlig autark agierten. Könnte man diese Umstände noch als eine dunklere Ära einer Gesellschaftsform (AfD) erklären, begeht Discovery fundamentale Kanonbrüche. Techniken, die nachweislich erst viel später existieren oder fern jeder bisweilen bekannten Trek-Technik sind. Gerade der Sporenantrieb mutet wie ein schlechter Scherz an und wird dann genauso absurd aus der Serie geschrieben, um den Kanonbruch zu kitten. Die arme Voyager, ein Kniff aus einem Grundschuldrehbuch, ist in Wirklichkeit für ihr Martyrium verantwortlich. Dazu völlig schwachsinnige Redesigns, die 50 Jahre Designkontinuität und die Leistung aller kreativen Köpfe gleich mit in die Tonne kloppen und ihr Dasein nur wohl deswegen frönen, weil man es kann. Schwache CGI, die an Computerspiele mit reichlich Lens Flare Einsatz erinnern, Reduzierung des bisherigen Hauptcharakters Raumschiff auf statisches Abhängen im Raum und umtriebene Protagonisten, die zuerst komplex anmuten und bei ihrer Entlarvung dann urplötzlich zum B-Movie Klischee mutieren. Bei Discovery ist freilich nicht alles ärgerlich, der Spiegeluniversum Storybogen macht verdammt viel richtig und zeigt uns das bis dato realistischste Abbild. Die anfänglich verschleierte Identität von Lorca wurde klasse vorbereitet und inszeniert und auch bei den Nebencharakteren gibt es erstmals keinen nervigen Sidekick. Kulissen, Außendrehs, Kostüme und Props sind mit das hochwertigste, was es bisweilen im Trek TV zu sehen gab und mit zunehmender Laufzeit wird die Serie spannend und man freut sich auf die nächste Woche. Mitunter gibt es bei Discovery sogar den ersten Warpflug in Echtzeit. Ein Novum. Trotz der Ärgernisse kommt man sogar nicht umhin zu sagen, dass Discovery in vielen Punkten vielleicht die beste erste Staffel einer Trek Serie darstellt, aber gleichwohl in einigen gewichtigen Punkten maximal versagt. In Anbetracht von Zeit und Thematik wird es übrigens noch einmal klarer, warum man rechtlich gegen Axanar vorging.
