
Originaltitel: Thor il conquistatore
Herstellungsland: Italien
Erscheinungsjahr: 1983
Regie: Tonino Ricci
Darsteller: Bruno Minniti, Maria Romano, Malisa Longo, etc.
Gehirn an Körper: "Bitte tu mir sowas nicht so oft an, sonst geh ich zur Gewerkschaft!" Ok, ok, ich werde mich bemühen. So harten Trash-Tobak wie "Thor" aufzutreiben dürfte auch ziemlich schwer werden. Genauso wie die jetzt wohl zwangsläufige Zusammenfassung der Handlung. Uff. Also der Reihe nach:
Papa und Mama Barbar kommen zum geheiligten Feuerstein von Tesha, um da ihren kleinen Thor zu gebären, hinterher latscht der weise Zauberer, der nebenbei auch noch den Rest des Films für uns den Offkommentar macht. Das Problem dabei: Er spricht den Text nicht im Off, sondern sitzt meistens neben dem Geschehen und erzählt den Figuren anscheinend genauso wie dem Zuschauer, was gerade so abgeht. Zur Einordnung mal ein Bild - Auf der Linken Thor mit seinem Mädel und rechts der monologisierende Zauberer:

Und das ist noch weit entfernt. Meistens sind unser quatschfreudiger Kumpel auch gleich direkt neben Thor und quatscht in die Kamera. Aber ich greife vor, denn natürlich passiert das Übliche: Bad Guy macht Eltern platt, versucht Thor zu plätten (sehr überraschende Szene!), der wird aber vom Zauberer gerettet und nachdem das Schwert von Thors Vater sich in eine Schlange verwandelt und in den Teshas-Runenstein verschwunden ist (keine Fragen!), gibts nen Zeitsprung:


Thor ist nun erwachsener Barbar und unser Zauberer läuft immer noch in lustigen Klamotten herum. Per Offkommentar wird auch gleich nochmal geklärt wer hier wer ist und warum:
"Dies hier ist Thor, der Sohn Kunds, den ich erzogen habe, als ob er mein Eigen wäre. Und der der größte Herrscher der Erde werden wird!"
Der Magierkasper hat einen großen Bonus, denn er verwandelt sich des Öfteren in eine Eule und begleitet in dieser tierischen Form unseren muskelbepackten Italo-Gewichtheber auf dessen Reisen. Wer also Eulen mag ist bei diesem wahnsinnigen billig Rip-Off von "Conan" an der richtigen Stelle.


Thors Vater geht schon im Prolog hops, während der Eulen-Magier zuschaut.
Generell hat Thor außer seine Muskeln zu trainieren in den letzten 20 Jahren seines Lebens wohl nicht viel gemacht, denn anscheinend erstmalig laufen ihm andere Leute über den Weg, in diesem Fall Kannibalenkrieger samt gefangener Frau.
Mr. Magician ist anscheinend langweilig und wirf den Kriegern nen Stein an den Kopf, nur um Thor die Aktion in die Schuhe zu schieben. Eine kleine Kampfszene später sind die Kannibalen tot und Thor schleppt die Frau mit in seine Höhle. Und, oh man, ab dann gibt es zwei Kameraeinstellungen: Entweder der lüstern schauende Magier der monologisiert, oder Thor, der gerade entdeckt was er denn da gerettet hat, denn jetzt ist Aufklärungszeit:


Magier: "Thor - Behandele Sie nicht wie ein Tier, Sie ist ein Mensch, ein Weib! Nimm Sie, Sie hat wenig Kraft und Sie ist dumm! Sie dir Ihren Körper an Thor, das Weib ist für die Liebe geschaffen. Nimm Sie, Sie ist dein! Berühr Sie, Thor. Jaaaahaaaaaa, streichle Sie. Sie zart zu Ihr! Entkleide Sie und berühre ihre Lippen! Das Weib muss dir immer Untertan sein, dir diehnen und deine Kinder austragen. Kinder entstehen durch die Paarung von Mann und Weib. Ha-hahaha, ha-hahahaha! Und der Mann hat mehr Spaß daran Kinder zu machen, als sie großzuziehen. He-hehehe."
-eine Abblende später- "Thor hat nun den Tod und die Liebe kennengelernt, seine Zeit ist nun gekommen, während die meine abgelaufen ist."
... Irgendwelche Fragen? Nein? Gut. Irgendwelche hochgezogenen Augenbrauen? Jupp, das hab ich mir gedacht. Wow. Aber in diesem Stil geht es dann eigentlich weiter.
Thors erster Stich wird schnell abgestochen, aber die richtige Barbaren-Freundin samt umgedrehtem Stroh-Korb auf dem Kopf kommt auch des Weges und wird genauso vergewohltätigt wie die Letzte, aber hey, das sind Barbaren und das führt auch in diesem Fall zu wahrer Liebe.


Thor bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Posen! Und bei seiner zweiten Lieblingsbeschäftigung: Verliebt mit Wasser rumspritzen!
Thor ist ansonsten weiter auf seinem Weg das Schwert seines Vater wieder in seinen Besitz zu bringen, ganzen Barbarenhorden auszuweichen die aus Farn-Gestrüpp springen und einem unkriegerischen Volk den Weg des Barbaren zu lehren. Kleinere Probleme auf dem Weg wie kurzzeitige Blendung durch den Feind oder totales am Arsch der Welt gelandet sein wird durch eine kleine Anrufung von Tesha schnell beiseite gewischt.
Und damit unser Held noch richtig zum Showdown kommt, greift Barbarengott Tesha dann sogar auf ne flotte Runde Kreationismus zurück, wenn er einfach mal ein schnelles, vierhufiges Tier erschafft, nur echt mit Erklärungen vom Eulen-Magier:


"Thor, das ist ein Geschenk von Tesha. Eines Tages werden es die Menschen 'Pferd' nennen! Durch dieses Tier wirst du noch mehr Stärke bekommen, du wirst viel schneller sein als der Wind! Aber nimm dich in Acht, wenn du auf seinem Rücken sitzt, lass dich nicht abschütteln! Zähme es!"
Also, geneigter Review-Leser, brauchst du wirklich noch mehr Infos zu diesem Film? "Thor - Der unbesiegbare Barbar" ist der ganz harte Stoff, der ultra harte Stoff. Dagegen ist "Troll 2" Trash für Mainstream-Weicheiner, dagegen ist "Killer Alien" von John Carpenter inszeniert und von Clive Barker geschrieben worden. Wow. "Thor" zieht komplett vom Leder. Ob es jetzt die overactenden Schauspieler sind, die sau billige Inszenierung die wohl das Budget einer Kirschtorte hatte, oder die Spezial Effekte, von denen die Rauchwölkchen-Verwandlungs-Überblenden wohl die teuersten waren:



Und immer wieder die absolut debil-großartig-nicht-zu-glaubenden Monologe unseres Magiers vor Ort, die jedes Mal eine neue Irrsinnigkeit parat haben. Ganz großes Kino. Aber schließlich sind wir hier auch in Barbarben-Ville im Italo-Verse, da war man halt noch nicht so sprachgewandt. Die Musik bewegt sich auf unterstem Synthie-Irgendas-Level und ich meine auch ab und an deutlich rechtefreie Stücke aus grauer Vorzeit im Hintergrund gehört zu haben, aber hey, vielleicht ist auch zwischendurch einfach mal mein Gehör abgedriftet. Mein Gehirn, wie gesagt, bei manchen Teilen des Films drauf und dran seinen Job an den Nagel zu hängen.


Selbst der Bösewicht weiß manchmal nicht so recht, was er von all dem halten soll, während die Eule mal wieder alles überwacht.
Fazit: Oh ja, ein Fazit dürfte jetzt ziemlich schwer fallen. "Objektiv" kann ich diesen Streifen eigentlich nicht bewerten und subjektiv kommt es wohl sicherlich darauf an, ob man in geselliger Runde mit Pflaumenwein (oder so) dieses Teil genießt, oder eben nicht. So generell spielt dann auch noch der eigene Geschmack mit rein, so dass ich am Ende auf eine Bewertung irgendwo zwischen
(Kommt halt ganz drauf an.)
Auf DVD ist dieser Wahnsinn in MIGs doller "Barbaren Box Vol. 1" erschienen, zusammen mit "Ator 1+2" und "Barbaren - Stärker als Feuer und Eisen". Alles nur mit deutschem Ton und teils mäßigem VHS-Bild, aber das passt sich perfekt dem Niveau an und vier Klopper für 10 Flocken ist schon ein ziemlich guter Deal, auf den man eingehen sollte, solange man auf Barbaren-Filme steht und es auch ruhig mal trashig zugehen darf.

"Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage. Vielleicht..."



