Ein sehr seltsamer "Krieg ist die Hölle, aber der Sound ist geil"-Film, in dessen 135 Minuten dann in der Rückschau erschreckend wenig passiert ist. Da verbringt man fast den ganzen Film mit Figuren, deren Charakterisierung über grobe Stereotypen (tougher Anführer, Proloarschloch, Latino, Bibelfanatiker, Frischling) wohl unter Strafe verboten war. Einzelne Szenen, in denen die Figuren mal Profil gewinnen ("We ain't good men. But maybe you are.") werden schnell abgebrochen. Dann weiß der Film auch nie, ob er jetzt Kriegsaction der Marke "Agenten sterben einsam" oder "Das dreckige Dutzend" oder doch realistischer Kriegsfilm sein will. Für letzteres ist "Fury" dann aber doch zu flach, also will er ersterem wohl eine Dosis Realismus einimpfen, die aber nach hinten losgeht: Das Kampfgeschehen wirkt nur bedingt wie eine realistische Kriegsdarstellung, sondern eher wie megaschmierige Exploitation, bei der man abgeschossene Körperteile, von Panzerketten zermatschte Soldaten und in Flammen geratene Kämpfer, die den Freitod wählen, im allerkleinsten Detail bestaunen darf. Immerhin: In der Action liegen dann die Stärken von "Fury": Der Showdown mag zwar überlang sein und den Realismus in Sachen Bodycount runterdrehen, ist aber trotz kleinerer Schnitzer (z.B. gelegentlicher Übersichtsverlust) das Highlight des Films. Lowlight dagegen die Szene mit den zwei deutschen Frauen, die quälend lang ist, kaum etwas erzählt und noch inkonsistent in der Zeichnung der Figuren, die aber im ganzen Film schwankend verhalten: Mal Bros, mal sich gegenseitig schlagende und tretende Arschkrampen. Inkosistent ist der Film noch in manch anderer Hinsicht: Er unterscheidet zwischen Deutschen und Nazis, lässt seine Figuren aber trotzdem Kriegsgefangene abknallen (teilweise nur für eine fragwürdige Mannwerdung des Newbies). Einerseits zeigt er die US-Soldaten als verroht und Krieg als verrohend, an anderer Stelle scheint er aber genau das als erstrebende Männlichkeit zu feiern. Und benutzt ultraplatte Metaphern dafür: Der kultivierte Neuling spielt auf einem Klavier, der von Jon Bernthal grauenhaft gespielte Coon-Ass setzt sich auf dessen Tasten. und kurz zuvor haben noch dümmere US-Boys ein solches Instrument auf der Straße via Granate zerlegt. Ein fahriges Ding, irgendwo zwischen Realismus und Exploitationgeballer, wenn auch immerhin kompetent inszeniert.
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Zum Review:
"Das Ergebnis ist herrlich dynamisch, richtig schnell und voller taktischer Winkelzüge und präsentiert eine tolle Variation des Kain gegen Abel Motivs."
Meinst du da nicht eher David gegen Goliath?
Jimmy Dix: "Du glaubst wohl nicht an die Liebe?" - Joe Hallenbeck: "Doch ich glaube an die Liebe. Ich glaube auch an Krebs." [Last Boy Scout]
Perry Van Shrike: "Look up 'idiot' in the dictionary. You know what you'll find?" - Harry Lockhart: "A picture of me?" - Perry Van Shrike: "No! The definition of the word idiot, cause that is what you fucking are!" [Kiss Kiss, Bang Bang]