
Originaltitel: Perfect Stranger
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2007
Regie: James Foley
Darsteller: Halle Berry, Bruce Willis, Giovanni Ribisi, Richard Portnow, Gary Dourdan, Florencia Lozano, Nicki Aycox, Kathleen Chalfant, Gordon MacDonald u.a.
Rowena ist Enthüllungsjournalistin mit Leib und Seele. Diesmal hat sie es auf einen Senator abgesehen und sie kann ihn auch festnageln. Doch jener kauft sich einfach frei und Rowenas Artikel wird nicht veröffentlicht. Enttäuscht schmeißt Rowena ihren Job hin. Noch am selben Tag trifft sie eine alte Freundin, namens Grace. Grace berichtet ihr, Dates mit einem Werbeagenturchef namens Harrison Hill gehabt zu haben, sei Hill doch keinem Frauenrock abgeneigt. Doch Hill will Graces Liebeswerben nicht tiefergehend erwidern und so will Grace Rowenas Macht als Journalistin nutzen, um sich an Hill zu rächen. Dementsprechend will sie Hill drohen, einige schmutzige Liebesmails abdrucken zu lassen. Rowena verschwendet an diesen absurden Plan aber keinerlei große Gedanken. Doch irgendwann muss sie sich mit dem Fall beschäftigen, denn keine drei Tage später zieht man Graces Leiche aus einem Fluss. Rowena wird hellhörig und schleicht sich in Hills Agentur ein. Hier umgarnt sie ihn live vor Ort und nebenher macht sie ihm mit einer Scheinidentität auch per Chat Avancen. Bald stößt sie auf ein ziemliches Dickicht an Indizien, die gegen Hill sprechen. Hat er Grace auf dem Gewissen?
Klingt nach 08/15 Ware. Ist auch 08/15 Ware. Doch eines vorweg: Es lohnt sich bei Verführung einer Fremden dranzubleiben, denn das Ende des Thrillers, der ansonsten so überhaupt nicht thrillen will, kommt recht überraschend daher. Überraschend deshalb, weil der gesamte Filmverlauf bis dahin abgeschmackt stereotyp verlief und erschreckend moralisch und überzogen politisch korrekt daherkam. Und auf einmal bäumt sich der ganze Film gegen den bisherigen Filmverlauf auf. Schmeißt Moral und Political Correctness milde lächelnd auf den Müll und will auch diverse Klischees auf den Kopf stellen. Und es funktioniert sogar. Blöderweise wurde man bis dahin so extrem von dem vollkommen spannungslosen Handlungsverlauf eingelullt, dass man entweder gar nicht mehr wach ist oder man die Wendung nur noch als hanebüchen abtun möchte, um sich keine Gedanken mehr über den Film machen zu müssen. Und man kann es Niemandem verdenken! Schon die Versuche Rowenas die Firma Hill zu infiltrieren, sind so spannungsfrei, langweilig und vorhersehbar inszeniert, dass einem die Füße einschlafen. Und da Rowena von Halle Berry gespielt wird, ist auch klar, dass ihre Annäherungsversuche bei Harrison Hill nicht auf taube Ohren stoßen. Und *schwupps* sind "schon" 75 Minuten Film verflogen - oder sagen wir lieber: zähflüssig an uns vorbeimäandert. In diesen 75 Minuten geht dann der Puls ziemlich genau zweimal nach oben und beide Male sind die Kleider der Hauptdarstellerin schuld. Es folgt ein seltsamer Schlenker um Rowenas Mitarbeiter Miles, bei dem man sich bis zuletzt fragt, was James Foley damit bezweckte. Sollte das eine falsche Spur sein? Der Versuch den Zuschauer aufs Glatteis zu führen? Hab ich den Sinn verpennt? Vermutlich. Und dann ... endlich ... kommt das Ende. Und obwohl es den Film - wie angedeutet - einen ziemlichen 180 Grad Turn vollziehen lässt, funktioniert es erstaunlich gut, ist recht überraschend geraten und obendrein gar nicht mal so dumm, führt es doch einige lose Handlungsfäden geschickt zusammen. Hierfür gibt es dann durchaus einen kleinen Pluspunkt.
Diesen möchte man dann für die kolportierten Klischees um Internetbekanntschaften gleich wieder abziehen. Immerhin sind alle Chatter notgeil, wollen Frauen umbringen oder labern schon am ersten Tag davon, dem Gegenüber die Hand in den Slip zu schieben. Großes Kino! Richtig hanebüchen darf es auch mehrfach werden. So ist Rowenas Mitarbeiter anscheinend ein echter PCGott, der sich in Sekundenbruchteilen in Chats hackt und sogar die Identitäten bereits im Chat befindlicher Personen übernimmt und an ihrer statt schreibt. Keine Ahnung, wie der das hinbekommen hat, ich fliege immer aus Chats raus, wenn ich einen bereits vorhandenen Namen nutzen will. *staun*. Doch so tief braucht man gar nicht in die Materie vorzudringen, um herzhaft über die PC Klischees lachen zu können. So meint Miles einmal: "Ach, der Server des Firmennetzwerkes ist so offen wie ein Scheunentor und die Firewall der Firma knack ich ganz leicht". Keine zwei Minuten später meint er so: "Den Rechner des Firmennetzwerkes (GENAU DAS GLEICHE VON EBEN!!!) kann ich nicht hacken, der hat eine Firewall." LOL. Also LOOOL ... böse Firewall ... ändert sich einfach so, wie es die Drehbuchautoren gerade brauchen
Im Bezug auf die Darsteller weiß man gar nicht so recht, wie man Verführung einer Fremden verorten soll. Also Halle Berry sieht genial aus. Keine Frage. Und ihr Versagen in Catwoman kommt einem bei ihrem Spiel in diesem Streifen auch nicht in den Sinn, aber irgendwie nimmt sie die ganze Chose einen Zacken zu ernst. So wirkt sie ab und an ein wenig überengagiert und die Undercoverjournalistin will man ihr bei ihrer Perfektheit auch nicht so recht abnehmen. Am Überzeugendsten ist sie eigentlich, wenn sie CSI Las Vegas Ermittler Gary Dourdan fickt (man muss es so sagen), da würde man(n) echt gerne tauschen ;-). Ihr Mitarbeiter Miles wird von Giovanni Ribisi gespielt. Jener ist mir ein klein wenig verhasst, weil Ribisi alle seine letzten Rollen gnadenlos überzogen hat und Overacting immer mehr zu seiner Methode wurde. Hier überraschte er mich dann sehr als dauerbesoffener Loser. Denn eigentlich bot genau diese Rolle alle Möglichkeiten, gnadenlos vom Leder zu ziehen, doch er bleibt erstaunlich geerdet und normal (im Rahmen seiner recht kaputten Rolle) und gefiel mir mit am Besten! Und unser Bruce wirkt in dem Film wie ein Fremdkörper. In keinem anderen Film war Bruce einfach so sehr Bruce wie hier. Es ist, als schaue man ihm bei einem Cameo zu, das den ganzen Film lang andauert. Verschmitzt lächelnd schwebt er den ganzen Film durch die Kulissen, befingert Halle, befingert andere Frauen und lässt sich nicht eine Sekunde beim Spielen erwischen. Bzw. einen Moment hat es doch, doch dieser ist so schnell vorbei, wie er begonnen hat. Wenn im Drehbuch also gestanden hat: Harrison Hill ist so ein Bruce Willis Typ, dann hätte Bruce für die Rolle echt einen Oscar verdient. So fragt man sich permanent nur, warum die Rolle nicht den Namen Bruce Willis abbekommen hat.
Technisch dagegen geht Verführung einer Fremden absolut in Ordnung. James Foley bemüht sich um eine farbsatte und -intensive Bildersprache, verfremdet das Bild eigentlich nur in wenigen Flashbacks und schafft es, der im Agenturmilieu spielenden Handlung einen sehr edlen und vor allem stimmigen Look zu verpassen. Dagegen bleibt sein Soundtracklieferant Antonio Pinto extrem blass. Hier ein Song von Dido, da ein langweiliges Instrumentalstück. Pinto dürfte als erster gespürt haben, dass mit dem "Thriller" etwas nicht stimmt, denn es gibt keinen einzigen Moment, wo man musikalische Spannungsmomente hätte einbauen können. So tut einem Pinto recht schnell ziemlich leid.
Das Ergebnis ist ein Thrillerchen, das nicht einmal diesen verniedlichenden Begriff verdient hat. Spannungsbefreit und höhepunktlos quält sich Verführung einer Fremden über die Laufzeit und setzt alles auf sein Ende. Dieses ist dann wahrlich nicht verkehrt und wertet die vorherigen 90 Minuten durchaus ein wenig auf, doch in Hinsicht auf den Gesamteindruck kann auch die Schlusswendung nichts mehr retten. Zumindest sieht Halle Berry verdammt gut aus, was den Ungläubigen im Making Of auch permanent unter die Nase gerieben wird. Fast meint man, alle seien nur am Set gewesen, um Halle anzugucken ... einer zumindest hat das unter Garantie getan: Der Bruce
Die deutsche DVD von Sony ist mit einer FSK 16 uncut ...
In diesem Sinne:
freeman








