Ich starte auch mal mit dem obligatorischen "Bullet Train"-Vergleich - bei dem "Fight or Flight" echt nicht gut abschneidet. Sicher, der David-Leitch-Film war auch nicht perfekte und engleiste CGI-technisch am Ende in mehr als nur einer Hinsicht. Aber immerhin: Er hatte eine Story, die er ernst nahm, deren Twists noch etwas ausmachten und nicht nur Mittel zum Zweck für die nächste Hö-Hö-Hö-Actiongroteske waren. Es ist keine zwei Wochen her, dass ich "Fight or Flight" gesehen habe, hatte das Ende aber nur noch nebulös in Erinnerungen - aber weitestgehend richtig, wie ich beim Wikipedia-Gegencheck feststellte: Verantwortlich waren genau die Geheimdienst-Sackgesichter, die einem von Anfang unsympathisch waren. Nur den Sequel-Cliffhanger hatte ich nicht mehr auf dem Schirm, aber nachdem dieses dürftige Filmchen im Kino absoff, dann im Streaming verrammscht wurde und schließlich doch ein DVD-/Blu-Ray-Release bekam, glaube ich nicht mehr dran.
Großer Pluspunkt des Films ist Josh Hartnett als Schluffi-Held, der in den letzten Jahren ja ein kleines Comeback hatte, aber immer noch auf die Knallerolle im Knallerfilm wartet. Er macht Laune, er ist sympathisch und er hält das Ding zusammen, dessen Bierdeckelplot eher Füllmasse zwischen den Actionszenen ist. Ghost wird enttäuschend schnell enttarnt, die Plottwists sind absehbar, wenn man zwei, drei Filme der Sorte kennt, und einen Oberschurken gibt es nicht - am meisten Profil erhält ausgerechnet Marko Zaror, mit dem sich Hartnett als erstes duelliert. Wo artverwandte Filme wie "Accident Man" oder "The Killer's Game" noch mit ihrem Panoptikum an Antagonisten hervortaten, da sind hier die Killerscharen hier enttäuschend profil- und gesichtslos und eben ohne herausragende Charaktere. So fühlt sich die letzte Actionsequenz kaum wie ein Showdown an, ehe mir ein Blick auf die Laufzeit dann sagte, dass sie es vermutlich war. Choreographie und Inszenierung der Action gehen in Ordnung, die aber doch weitestgehend generisches Hauen, Stechen und Treten ist. Immerhin der gehobenen Klasse, aber doch sehr generisch. Allenfalls der hohe Blutzoll und die Splattereinlagen gegen Ende haben etwas Alleinstellungsmerkmal, aber das erinnert an manche Splatterkomödien für Dullies: Wenn einem nichts mehr einfällt, dann holt man die Kettensäge raus und hofft, dass der Gore es noch richtet.
Das klingt vielleicht etwas negativer als ich den Film am Ende des Tages sehe, denn die Action und vor allem Hartnett hauen noch was raus. Gemessen an seinem recht guten Leumund (sogar von Vince) war das hier aber eine herbe Enttäuschung.

Jimmy Dix: "Du glaubst wohl nicht an die Liebe?" - Joe Hallenbeck: "Doch ich glaube an die Liebe. Ich glaube auch an Krebs." [Last Boy Scout]
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