120 Bilder pro Sekunde – ist man damit fünfmal näher an der Realität, fünfmal tiefer in der Gefühlswelt des Soldaten, verglichen mit dem klassischen Kinoformat?
Die technische Innovation in Ang Lees amerikanischer Heldensage, die eigentlich eine Heldennegation sein möchte, ist Symptom für den Irrglauben, unmittelbare Nähe führe zu unmittelbarer Wahrheit. Einerseits beginnt die Geschichte mit einem scharfen Bewusstsein dieser Problematik. Ein Kamerahelm fängt eine Handlung auf dem Schlachtfeld ein, die eigentlich ein durch die Ausbildung erzeugter Automatismus ist, an der nun aber ein ganzes Land teilnimmt, das die Handlung fortan zur Heldentat deklariert.
Ab hier zelebriert Lee jedoch Heimkehrer-Klischees. Er zeigt ein hysterisches, oberflächlich denkendes Land, das sich betäubt von Show und Feuerwerk die Helden selbst zimmert, die es benötigt. Die Soldaten werden als leere Hüllen zurückgelassen. Chris Tucker und Steve Martin verkörpern dabei Eckpfeiler des amerikanischen Kapitalismus in Form ungehaltener Versprechen, Täuschung, Geiz und Egoismus.
Aus diesem Zusammenhang, der zur Verdeutlichung der Extreme auch vor stereotypen Charakterdarstellungen nicht halt macht, entwickelt sich automatisch Empathie für die junge „Bravo“-Einheit. Dass die Männer mehr verdient haben als von ihrem Land zu heroischen Puppen reduziert zu werden, versucht der Film mit aller Macht zu demonstrieren.
Dies kann aber nicht gelingen, indem man sich einfach an die Fersen des Hauptdarstellers heftet, mit ihm auf der Bühne steht, werden Destiny's Child in Rückansicht performen und der Blick freigelegt wird auf ein riesiges Publikum, das wiederum ein Repräsentant ist für Millionen Haushalte, die diese pompöse Halbzeitshow für ein banales Footballspiel live am Fernseher mitverfolgen. So wie Vin Diesel jedem seiner Schützlinge ein „I love you“ ins Gesicht haucht, hält sich Lee mit Verbrüderungsarien auf, die letztlich nicht minder oberflächlich sind als die Heimat, die sie auf ihre eigenartige Weise willkommen heißt.
Dem fahnenschwenkenden Patrioten wird die Intention sicherlich in einfachen Buchstaben deutlich gemacht, einen echter Blick in die Seele Billy Lynns, geschweige denn seiner Kameraden, gelingt jedoch trotz Einnahme seiner Perspektive nicht.
