[CD] The Pax Cecilia - Blessed are the Bonds
Verfasst: 25.09.2007, 23:38
The Pax Cecilia
Blessed are the Bonds (2007)

Technische Daten
Vertrieb: Self Release
Laufzeit: 60:15 Min.
Anzahl der Tracks: 8
Extras: Keine
Booklet: Booklet + Poster
Verpackung: Digipak
Tracklist
01. The Tragedy (10:14)
02. The Tomb Song (7:19)
03. The Progress (6:39)
04. The Machine (3:35)
05. The Wasteland (4:32)
06. The Water Song (12:37)
07. The Tree (8:53)
08. The Hymn (6:17)
Kritik
“Blessed are the Bonds” ist einzigartig - so viel will mal gleich zu Anfang objektiv festgestellt sein.
Denn zumindest mir ist keine weitere Band bekannt, die ihr vollwertiges, gut produziertes, mit feinstem Artwork versehenes, im Eigenvertrieb veröffentlichtes Album einfach so an die ganze Welt verschenkt. The Pax Cecilia, eine avantgardistische Metalband aus Rochester im schönen Staate New York, macht’s aber möglich. Was man nun als geniale PR-Strategie bezeichnen könnte, entbehrt bei genauer Überlegung jeglicher Grundlage. Denn Mundpropaganda dieser Sorte verteilt sich schnell und die Kosten für Produktion und Versand der Scheibe dürften schnell alle Dimensionen sprengen. Wenn überhaupt, wird das Vorhaben langfristig - dann aber auch wahrhaft gerechte - Früchte tragen.
...Initially, it was just an attempt to separate the work of art from the commercial aspect, the ‘value’ of something is so intrinsically linked with its price nowadays, and we just don't see that applying to something that we want to share with everyone, something that should be available to everyone, regardless of whether they can fit it into their budget. Not to mention, in today's digital age, most people do have access to free music regardless, but we feel that a strong presentation, with the full artwork and packaging, is crucial to the full appreciation of what we are creating, and some kind of intimacy gets lost in simply downloading the tracks.
Kent Fairman, The Pax Cecilia
Wenn der Rezensent sein edles Rezensionsexemplar frei Haus geliefert bekommt und mit Booklet, Poster und Digi verwöhnt wird, liegt selbstverständlich der Verdacht nahe, dass seine Urteilskraft geschwächt ist; doch den Sympathiechip habe ich, der ich ohnehin als eiskalter Analytiker gelte ;) , einfach mal auf “off” gesetzt. Und dennoch bricht eine wahre Flut der Glückseligkeit in mir aus jedes Mal, wenn ich aufs Neue dazu ansetze, den Startknopf der Anlage zu betätigen und den Einstünder aus dem Oeuvre der Amerikaner rotieren zu lassen. In seiner unwiderstehlich dynamischen Mischung aus Klassik, Post Rock, Progressive Metal und Ambient schleudert mir das Ding Assoziationen aus Bild und Ton entgegen, als wenn ich zur Schlachtbank geführt würde und meine auditive Henkersmahlzeit genösse.
“Blessed are the Bonds” ist in erster Linie eines, nämlich ein urgewaltiges Spiel mit musikalischen Kontrasten. In seiner Intention, nämlich ein unerschöpfliches Streben hin zur absoluten Größe hin, ist das Album ein geistiger Verwandter der Outputs von Oceansize. Man spürt in jedem einzelnen Moment das Verlangen, eine Grenze explodieren zu lassen, um zur nächsten Grenze zu gelangen und auch diese zu pulverisieren. Wie ein Bulldozer krachen die acht Songs durch ein Gemäuer nach dem anderen und sind am Ende dort angelangt, wo es nicht mehr viele Vergleichsmöglichkeiten gibt.
Welche Assoziationen sich auftun, wird vermutlich jeder Hörer anders sehen. Beim ersten Durchgang nahm ich selbst noch ein stark von modernem Post Metal beeinflusstes Werk wahr, das Bands wie Isis, Neurosis, Explosions in the Sky, Pelican, Godspeed You! Black Emperor oder den Red Sparowes nacheifert. Im zweiten Durchgang gelangten diese Einflüsse in den Hintergrund und das Laut-Leise-Wechselspiel im Verbund mit Screams, klarem Gesang und instrumentellen Passagen vom einzelnen Klang eines Pianos bis zum Total Rage drängte sich auf. Schließlich wurden die Ambient-Klangfelder dominant, legten sich als Membran über das Wechselbad. Hier etwas Dredg, im nächsten Moment Hurt, eine permanente Transformation, die es nicht zulässt, dass einer der Vergleiche sich allzu lange aufdrängt. Und dann hat das Werk auch schon seine eigenen Sphären erreicht.
Doch sorgt die Wechselhaftigkeit zugleich dafür, dass nicht einfach nur voller Aggression ein Hindernis nach dem anderen niedergerissen wird und in der blinden Wut die Linie verlorengeht; vielmehr wiegelt sich jedes einzelne Teilwerk in perfekter Dramaturgie dazu auf, in der Lage zu sein, die stärksten Mauern zu beseitigen. Die Kraft lässt sich oftmals schon bei den sanften Streichern erkennen, die den Höhepunkt vorbereiten. Was sich später dann entleert, ist lediglich die bis dahin aufgestaute Energie.
Was jedoch unter Umständen nach dem primitiven Laut-Leise-Schema klingt, ist in Wahrheit viel mehr als das. Nicht nur die Songtexte verraten eine ausgeprägte unterschwellige Doppelschichtigkeit; selbige versteckt sich auch in den extremen Kontrastwerten des Albumklangs. Sie ist versteckt zwischen der Abfolge von Orchestralem und Akustikgitarren, bizarr verzerrtem Geschredder und lieblichen Soli. Wechselnde Taktfolgen und unzählige Breaks, die der Musik einen progressiven Anstrich verleihen, verstehen sich ohnehin von selbst; aber in dieser Zusammenstellung hat man das im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht erlebt.
Das riesige Selbstbewusstsein von The Pax Cecilia, das sich durch die enorm risikobehaftete Aktion zeigt, die eigens erschaffene Kunst einfach zu verschenken... es hat wahrlich seinen Grund. “Blessed are the Bonds” offenbart insbesondere in Sachen Instrumentierung, Atmosphäre und Arrangement so gut wie keine Schwächen und ist dahingehend ein kleines Meisterstück. Was die Amerikaner hier bieten, ist in Anbetracht ihres momentan noch geringen Bekanntheitsgrads kaum in Worte zu fassen. Möchte man alleine schon der Liebe zur Kunst wegen mal wieder eine gute Tat vollbringen, so empfehle ich folgende Schritte:
1. Das Gratis-Album auf der Homepage der Band bestellen.
2. Nach Lieferung hören und erkennen, dass Musik mehr sein kann als ein Sklave des Musikbusiness.
3. Wieder die Homepage besuchen und dort eine Summe spenden, die man angesichts der vom Album erbrachten Leistung für angemessen hält.
Extras
"Digitale" Extras sind nicht auf der Scheibe enthalten; neben dem normalen Booklet wird im Digi allerdings ein Poster mitgeliefert (6-fache Covergröße), offenbar der Druck einer Kohlezeichnung.
Artdesign
Das sandfarbene Digipak erinnert stark an die Verpackung des "Dredg"-Erstlings "Leitmotif". Das vorne wie hinten vollkommen textfreie Bookletcover ist eine Tuschezeichnung, die mehrere Eulen darstellt sowie einen Storch, der offenbar eine Nabelschnur im Schnabel trägt. Schlicht, aber hochwertig und wirkungsvoll. Zumal durch den Selbstrelease sämtliche nervigen Icons wie EAN-Code, Label etc. wegfallen.
Fazit
Öh, tja... hier kriegt man was für sein Geld, würde ich mal so ganz kokett sagen. Das Album lässt qualitativ definitiv die meisten Alben hinter sich, für die teuer Geld verlangt wird. Eine perverse Vorstellung, dass Geschäfte für Daniel- Ötzi- oder Paris-CDs Geld verlangen dürfen. Hier jedoch darf der Konsument selbst entscheiden, was ihm das Teil wert ist. Ein mehr als ehrenwerter Gedanke in einer kommerzialisierten Welt wie dieser.
Testequipment
AIWA NSX-SZ315
Weitere Bilder

Innenteil des Digipaks

Posterdruck Front- und Rückseite; beide sind nicht hundertprozentig komplett abgebildet, da zu groß für den Scanner
Blessed are the Bonds (2007)

Technische Daten
Vertrieb: Self Release
Laufzeit: 60:15 Min.
Anzahl der Tracks: 8
Extras: Keine
Booklet: Booklet + Poster
Verpackung: Digipak
Tracklist
01. The Tragedy (10:14)
02. The Tomb Song (7:19)
03. The Progress (6:39)
04. The Machine (3:35)
05. The Wasteland (4:32)
06. The Water Song (12:37)
07. The Tree (8:53)
08. The Hymn (6:17)
Kritik
“Blessed are the Bonds” ist einzigartig - so viel will mal gleich zu Anfang objektiv festgestellt sein.
Denn zumindest mir ist keine weitere Band bekannt, die ihr vollwertiges, gut produziertes, mit feinstem Artwork versehenes, im Eigenvertrieb veröffentlichtes Album einfach so an die ganze Welt verschenkt. The Pax Cecilia, eine avantgardistische Metalband aus Rochester im schönen Staate New York, macht’s aber möglich. Was man nun als geniale PR-Strategie bezeichnen könnte, entbehrt bei genauer Überlegung jeglicher Grundlage. Denn Mundpropaganda dieser Sorte verteilt sich schnell und die Kosten für Produktion und Versand der Scheibe dürften schnell alle Dimensionen sprengen. Wenn überhaupt, wird das Vorhaben langfristig - dann aber auch wahrhaft gerechte - Früchte tragen.
...Initially, it was just an attempt to separate the work of art from the commercial aspect, the ‘value’ of something is so intrinsically linked with its price nowadays, and we just don't see that applying to something that we want to share with everyone, something that should be available to everyone, regardless of whether they can fit it into their budget. Not to mention, in today's digital age, most people do have access to free music regardless, but we feel that a strong presentation, with the full artwork and packaging, is crucial to the full appreciation of what we are creating, and some kind of intimacy gets lost in simply downloading the tracks.
Kent Fairman, The Pax Cecilia
Wenn der Rezensent sein edles Rezensionsexemplar frei Haus geliefert bekommt und mit Booklet, Poster und Digi verwöhnt wird, liegt selbstverständlich der Verdacht nahe, dass seine Urteilskraft geschwächt ist; doch den Sympathiechip habe ich, der ich ohnehin als eiskalter Analytiker gelte ;) , einfach mal auf “off” gesetzt. Und dennoch bricht eine wahre Flut der Glückseligkeit in mir aus jedes Mal, wenn ich aufs Neue dazu ansetze, den Startknopf der Anlage zu betätigen und den Einstünder aus dem Oeuvre der Amerikaner rotieren zu lassen. In seiner unwiderstehlich dynamischen Mischung aus Klassik, Post Rock, Progressive Metal und Ambient schleudert mir das Ding Assoziationen aus Bild und Ton entgegen, als wenn ich zur Schlachtbank geführt würde und meine auditive Henkersmahlzeit genösse.
“Blessed are the Bonds” ist in erster Linie eines, nämlich ein urgewaltiges Spiel mit musikalischen Kontrasten. In seiner Intention, nämlich ein unerschöpfliches Streben hin zur absoluten Größe hin, ist das Album ein geistiger Verwandter der Outputs von Oceansize. Man spürt in jedem einzelnen Moment das Verlangen, eine Grenze explodieren zu lassen, um zur nächsten Grenze zu gelangen und auch diese zu pulverisieren. Wie ein Bulldozer krachen die acht Songs durch ein Gemäuer nach dem anderen und sind am Ende dort angelangt, wo es nicht mehr viele Vergleichsmöglichkeiten gibt.
Welche Assoziationen sich auftun, wird vermutlich jeder Hörer anders sehen. Beim ersten Durchgang nahm ich selbst noch ein stark von modernem Post Metal beeinflusstes Werk wahr, das Bands wie Isis, Neurosis, Explosions in the Sky, Pelican, Godspeed You! Black Emperor oder den Red Sparowes nacheifert. Im zweiten Durchgang gelangten diese Einflüsse in den Hintergrund und das Laut-Leise-Wechselspiel im Verbund mit Screams, klarem Gesang und instrumentellen Passagen vom einzelnen Klang eines Pianos bis zum Total Rage drängte sich auf. Schließlich wurden die Ambient-Klangfelder dominant, legten sich als Membran über das Wechselbad. Hier etwas Dredg, im nächsten Moment Hurt, eine permanente Transformation, die es nicht zulässt, dass einer der Vergleiche sich allzu lange aufdrängt. Und dann hat das Werk auch schon seine eigenen Sphären erreicht.
Doch sorgt die Wechselhaftigkeit zugleich dafür, dass nicht einfach nur voller Aggression ein Hindernis nach dem anderen niedergerissen wird und in der blinden Wut die Linie verlorengeht; vielmehr wiegelt sich jedes einzelne Teilwerk in perfekter Dramaturgie dazu auf, in der Lage zu sein, die stärksten Mauern zu beseitigen. Die Kraft lässt sich oftmals schon bei den sanften Streichern erkennen, die den Höhepunkt vorbereiten. Was sich später dann entleert, ist lediglich die bis dahin aufgestaute Energie.
Was jedoch unter Umständen nach dem primitiven Laut-Leise-Schema klingt, ist in Wahrheit viel mehr als das. Nicht nur die Songtexte verraten eine ausgeprägte unterschwellige Doppelschichtigkeit; selbige versteckt sich auch in den extremen Kontrastwerten des Albumklangs. Sie ist versteckt zwischen der Abfolge von Orchestralem und Akustikgitarren, bizarr verzerrtem Geschredder und lieblichen Soli. Wechselnde Taktfolgen und unzählige Breaks, die der Musik einen progressiven Anstrich verleihen, verstehen sich ohnehin von selbst; aber in dieser Zusammenstellung hat man das im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht erlebt.
Das riesige Selbstbewusstsein von The Pax Cecilia, das sich durch die enorm risikobehaftete Aktion zeigt, die eigens erschaffene Kunst einfach zu verschenken... es hat wahrlich seinen Grund. “Blessed are the Bonds” offenbart insbesondere in Sachen Instrumentierung, Atmosphäre und Arrangement so gut wie keine Schwächen und ist dahingehend ein kleines Meisterstück. Was die Amerikaner hier bieten, ist in Anbetracht ihres momentan noch geringen Bekanntheitsgrads kaum in Worte zu fassen. Möchte man alleine schon der Liebe zur Kunst wegen mal wieder eine gute Tat vollbringen, so empfehle ich folgende Schritte:
1. Das Gratis-Album auf der Homepage der Band bestellen.
2. Nach Lieferung hören und erkennen, dass Musik mehr sein kann als ein Sklave des Musikbusiness.
3. Wieder die Homepage besuchen und dort eine Summe spenden, die man angesichts der vom Album erbrachten Leistung für angemessen hält.
Extras
"Digitale" Extras sind nicht auf der Scheibe enthalten; neben dem normalen Booklet wird im Digi allerdings ein Poster mitgeliefert (6-fache Covergröße), offenbar der Druck einer Kohlezeichnung.
Artdesign
Das sandfarbene Digipak erinnert stark an die Verpackung des "Dredg"-Erstlings "Leitmotif". Das vorne wie hinten vollkommen textfreie Bookletcover ist eine Tuschezeichnung, die mehrere Eulen darstellt sowie einen Storch, der offenbar eine Nabelschnur im Schnabel trägt. Schlicht, aber hochwertig und wirkungsvoll. Zumal durch den Selbstrelease sämtliche nervigen Icons wie EAN-Code, Label etc. wegfallen.
Fazit
Öh, tja... hier kriegt man was für sein Geld, würde ich mal so ganz kokett sagen. Das Album lässt qualitativ definitiv die meisten Alben hinter sich, für die teuer Geld verlangt wird. Eine perverse Vorstellung, dass Geschäfte für Daniel- Ötzi- oder Paris-CDs Geld verlangen dürfen. Hier jedoch darf der Konsument selbst entscheiden, was ihm das Teil wert ist. Ein mehr als ehrenwerter Gedanke in einer kommerzialisierten Welt wie dieser.
Testequipment
AIWA NSX-SZ315
Weitere Bilder

Innenteil des Digipaks

Posterdruck Front- und Rückseite; beide sind nicht hundertprozentig komplett abgebildet, da zu groß für den Scanner
8-)