Verdammt zu leben - verdammt zu sterben
Die kurze Zeit des Italowesterns war 1975 eigentlich schon wieder vorbei und der Klamauk regierte das Genre bevor es gänzlich verschwand. Lucio Fulci, legendär für seine Zombie-Schlachtplatten, kreierte hier mit "Four of the Apocalypse / Verdammt zu leben - verdammt zu sterben" noch einmal einen beinharten desillusionierenden Beitrag, der es streckenweise in sich hat, im Ganzen jedoch leider oftmals in sich ziemlich unpassend wirkt.
Vier Häftlinge büchsen aus dem Knast aus um anderswo von neu anzufangen. Dass unter den Vieren auch eine Frau ist und diese in derselben Zelle mit den drei Männern eingepfercht war, lässt man dem Film hier noch gerne durchgehen, immerhin ist sie im horizontalen Gewerbe tätig, was als Erklärung ausreichen sollte, wie man sich durchbeißen kann. Der Rest der Reisegruppe setzt sich aus einem Trunkenbold, einem Spieler und einem psychisch gestörten Schwarzen zusammen. Letzteres könnte Anlass zu Bedenken geben, sollte aber eigentlich nicht ausreichen, um den Machern hier eine wie auch immer geartete rassistische ankreiden zu können. Im Folgenden treffen die vier, die sich zwischendurch mit ihrem Karren hoffnungslos verirren, auf einen dubiosen Outlaw, wunderbar diabolisch verkörpert vom Genre-Star Tomas Milian. Und damit beginnt das zweischneidige Schwert des Films.
Einerseits werden sehr gefällig Horror-Aspekte mit dem Western-Genre verbunden wenn der psychopatische Chaco (Milian) die 4 gegeneinander auszuspielen versucht und vom Helfer zum Peiniger mutiert. Andererseits kann Fulci, so scheint es manchmal, in seinen brutalen Szenen nicht differenzieren zwischen "an dieser Stelle passend" und "selbstzweckhaft", wodurch beides vorhanden ist und sowohl sehr kompetente und auch passende (!) Schießereien und Folterszenarien als auch völlig egozentrisch-deplatzierte Ekelszenen zu sehen sind. Auch im dramatischen Aufbau des Films stimmt leider so einiges nicht. Da legen die Jungs und Mädels der Apokalypse ("L'Quattro dell'apocalisse") eine wahre Odyssee hinter sich, landen plötzlich in verschneiten Städten und ähnliches mehr - nur um dann am Ende doch wieder ins gängige Rache-Western-Muster zu verfallen. Das ist zwar völlig in ordnung so, lässt aber die Frage im Raum stehen, wozu weite Teile des Mittelteils gut sein sollen, die offensichtlich zwanghaft poetische Tiefe in ein Werk bringen sollen, dass dadurch insgesamt alles andere als homogen wirkt und seine guten Ansätze leider nicht richtig zu verknüpfen weiß. Somit lassen sie die sicher gut gemeinten Zwischenpassagen mit einigem Recht auch schlicht als unnötige Längen bezeichnen.
Auch die Musik schwankt dementsprechend von bedrohlich bis 'spaghettimäßig', aber rutscht auch immer wieder in ein ziemlich nerviges Grundthema ab, wenn 2 Minuten lang am Stück der Karren mit den Jungs und dem Mädel durch die Landschaft zockelt. Also: Insgesamt deutlich mehr Potential als hundert andere Genre-Vertreter, aber genauso viel vergebene Chancen, was gerade dann ja besonders schade ist.
,5
(ca. eine 7 wäre locker drin gewesen, aber die Mängelliste war dann doch zu groß, so bleibt nur knapp der Platz über dem ganzen Totalmittelmaß und Genre-Abschaum)