Auch ich musste bei dem Film stets an "Sieben" denken, obwohl ich erst jetzt durch Stefans Review von der Querverbindung als geplantes Sequel zu Finchers Meisterwerk erfahren habe. Tatsächlich sind die Filme in ihrem Gegensatz interessant: "Sieben" war ein verdammt spannender Thriller, unter dessen Oberfläche und in dessem brillantem Script lauter komplexe Fragestellungen verbargen. "Solace" hingegen schiebt dem Publikum alle Denkanstöße mit Ansage quer in den Rachen, schmeisst letzten Endes aber nur Brocken mit wenig Substanz hin. Da debattieren Held und Schurke munter die offensichtlichen Fragestellung, ob man Todkranke vorzeitig abmurksen darf und das auch noch ohne deren Zustimmung, aber wenn man das schon im Dialog ausformuliert, dann sollte da auch etwas mehr kommen als die üblichen Offensichtlichkeiten.
Noch dazu ist "Solace" absolut trauerkloßig mit seinen ganzen (vermeintlich) todgeweihten Figuren und den ganzen Verlustgeschichten, betont artsy-fartsy in seinen Vorsehungen, die dem Film hierzulande seinen Titel geben, und gelegentlich reichlich prätentiös in seinem gescheiterten Vorhaben den ganz großen wichtigen Serienkillerfilm über Alles zu machen. Dabei vergessen Regie und Drehbuch viel zu oft, dass eigentlich ein geiler Pulpthriller in dem Stoff steckt. Auch nicht gerade hilfreich ist manche Fehlentscheidung, die vielleicht eher Studio und Marketing als dem Film anzulasten ist: Da wird die Seher-vs-Seher-Thematik vergleichsweise spät aufgedeckt, obwohl die Spatzen es als Unique Selling Point in quasi jeder Kritik zum Film schon von den Dächern pfiffen, Colin Farrell prangt auf dem Poster, hat aber für die ersten zwei Drittel des Films gewissermaßen Sendepause.
Ist "Solace" daher ein schlechter Film? Nicht direkt. Eher einer, der viele Möglichkeiten verschenkt. Die Prämisse hat auf jeden Fall was, Farrell und Jeffrey Dean Morgan sind in bester Spiellaune und für Anthony Hopkins ist es (ähnlich wie bei "Collide" oder "Transformers 5") eine dieser Ich-mach-das-nur-den-Gehaltsscheck-Rollen, aber das macht er immerhin mit Professionalität und Können. Neben Abbie Cornish wirken diverse andere bekannte Gesichter wie Xander Berkeley und Kenny Johnson in kleinen Rollen mit und es gibt immer wieder gelungene Einzelmomente und Phasen, etwa jene Passage, die mit dem halbierten Kleid beginnt. Wäre das Ganze nicht so zerhackt (man merkt die Rewrites) und mehr damit zufrieden in erster Linie ein Thriller zu sein, dann hätte richtig was draus werden können. So ist das Ganze eher durchwachsen.
