Dennoch war die Zeit reif, dass sich nach all den Jahren der massiven Geräteparks, die Technik der Wohnqualität unterzuordnen hat
... zugegeben, das Teufel System 5 THX Select 2 war nicht nur klanglich eine Augenweide ...
… trostlos erstrahlt das neue Setting:

Nun mag man mit möglichen Zwischenschritten argumentieren, doch platzsparende und unauffällige Brüllwürfelsysteme sind sicher nicht der Weisheit letzter Schluss und den Kabelsalat ertrage ich auch nicht mehr.
Ziel soll es fortan sein, eine maximalst unauffällige und platzsparende TV Kette klanglich so aufzuwerten, dass die wenigen Filme im Monat tonal angemessen unterstützt werden. Nun bietet der Markt, neben den aus meiner Sicht unbrauchbaren schmalen Soundbars, durchaus einige Alternativen, die mehr zu sein scheinen als einfache TV-Ton Aufpolierer. Zu nennen wären hier die Canton DM 50 oder die Quadral MAGIQUE. Beiden gemein ist die etwas ausladende Breite und fehlende HDMI Eingänge. Gleichwohl nehmen diese Modelle eher Platz auf dem Rack und somit unterhalb des TVs ein, was mir aus ästhetischen Gründen missfällt.
Das Magnat Sounddeck 200 könnte sich dahingehend als alternativlos herausstellen. Neben der schon angesprochenen Standard Breite, bietet das Gerät mit 10 cm Höhe und knapp 30 cm Tiefe genug Platz für eine größere Chassisbestückung und somit das Potential mehr als dünnen oder blechernen Klang zu produzieren. 2 HDMI Eingänge, inklusive Audiorückkanal um das Gerät mit Fernbedienung des Fernsehers zu steuern, sowie ein optischer Digitaleingang und Cinchanschlüsse, garantieren Anschlussvielfalt.

Bestückt ist das Sounddeck mit 2x 150 x 38 mm Breitbandchassis und 1x 130 mm Chassis für den Tiefton (Bassreflex) sowie mit einem Dolby Digital und DTS Decoder. Wem der Bassdruck nicht ausreicht, hat die Möglichkeit einen separaten Aktivsubwoofer anzuschließen. Dank Bluetooth kann Musik mit dem Smartphone übertragen werden. Verarbeitungstechnisch gibt es für den Preis nichts zu bemängeln, ein Furnier wird niemand erwarten, die Anfassqualität ist solide und sogar ordentliche Gerätefüße wurden verbaut. Die Front beherbergt ein Metallgitter, welches nicht abnehmbar zu sein scheint. Mit der mitgelieferten FB, kann bequem zwischen den Quellen geschaltet oder die Lautstärke reguliert werden.
Als Beilage gibt es ein nettes Kabelpaket, welches auch ein optisches Digitalkabel beinhaltet, ein HDMI Kabel muss man indessen dazu kaufen.

Erhältlich ist das Gerät ab diesem Monat und nachdem ich google bedient habe, scheint der folgende Praxistest der erste Niedergeschriebene zu sein.
Praxis:
Der Anschluss ist einfachstes Plug & Play, HDMI Kabel einstecken, Power und Abfahrt.
Bluetooth und Musik
Vorab will ich mich aber als neu entdecktes Spielkind erst einmal mit der Bluetooth Option beschäftigen. Das Smartphone erkennt das Sounddeck als "Sounddeck 200" sofort und schon spielt ohne weiteren Aufwand die Musik. Praktisch wenn man Internetradio nutzt, die entsprechende App auf das Handy gezogen und schon spart man sich ein weiteres Gerät. Klanglich hülle ich mich in den Mantel des Schweigens, der verwöhnte Hörer wird das Gebotene nicht ganz ernst nehmen können. Auf der anderen Seite ist die Qualität der musikalischer Wiedergabe auch nicht schlechter als der preisgleicher Brüllwürfelsysteme, stellenweise sogar angenehmer. Dem Bass (kann geregelt werden) fehlt es etwas an Kontur und sattem Nachdruck, er überzeugt aber mehr als das Gebrumme so mancher Brüllwürfelsubs. So ganz verfärbungsfrei ist der Klang aber generell nicht, was der Aufstellung im Rack geschuldet sein mag. Dafür ist die Stimmwiedergabe sehr ordentlich, dumpfe Attribute wie man sie bei einigen Mitbewerbern liest, findet man hier nicht. In Anbetracht des Preises hätte ich im Gesamten eine etwas rundere Performance erwartet, erst recht wenn man das Gerät mit günstigen Aktivlautsprechern aus dem Recording Bereich als platzsparende Alternative vergleicht. Vielleicht muss man sich auch mal anschauen, welch ambitionierten Weg unser Lieblingsschwabe Nubert für rund 180€ mehr mit seinem kommenden Stereoboard nuPro A-250 einschlägt. Sicher habe ich keine audiophilen Tugenden erwartet, aber zumindest eine Leistung, die sich auf dem Level günstiger Kompaktlautsprecher (auch aus dem eigenen Haus) einpendelt. Nun kann man sicher argumentieren, dass so ein Sounddeck in erster Linie nicht als Hifi Anlagen Ersatz gedacht ist, und doch suggerieren werbewirksame und inflationäre Begriffe wie "High End" ein anderes Bild. Auch im Magnat Prospekt wird das Sounddeck mit einer neuen Art von HiFi Anlage beworben. Ich möchte aber nicht gänzlich vom Gebrauch als Stereo Anlage abraten, Internetradio macht als Nebenbeschallung durchaus Spaß, Standalone Internetradios liefern hier oftmals eine schlechtere Performance und wie gesagt, auch günstige Sat/Sub Systeme sind eindeutig im Nachteil.
Film
Beim Film schlägt die Stunde des Sounddecks. Hier werden zwar keine Klangberge versetzt, doch die Dialogwiedergabe als wichtiges Steckenpferd weiß zu überzeugen. Hier sehe ich auch den Vorteil zum herkömmlichen Stereo System. Dies zieht die Dialoge aufstellungsbedingt viel zu sehr in die Breite, wodurch Klarheit und Ortung eingebüßt werden. Beim Sounddeck 200 hat man indessen den Eindruck eines Center Speakers, der zusätzlich die restlichen Klangdetails wiedergibt. Das eingebaute Tieftonchassis kann natürlich keine Wunder vollbringen und so fehlt bei Explosionen der Nachdruck. Kleinere Bassattacken wie Schüsse, zugeschlagene Türen oder die Untermalung markanter Stimmen (Herr der Ringe) werden dafür sehr realistisch wiedergeben und sind im Vergleich zum TV Ton eine Offenbarung. Hier war ich auch überrascht, wie "authentisch" das Eintreffen der Warbirds in Star Trek: Nemesis gelang. Phaser- und Torpedotreffer wurden satt untermalt, nur sollte man das Sounddeck hier nicht zu laut machen, da das Tieftonchassis schneller Hustenreiz bekommt. Hintergrundgeräusche, wie Konsolenlaute oder zerberstende Energieleitungen, werden akkurat herausgearbeitet. Diese Eigenschaft macht sich auch im 3D Raumklangmodus bemerkbar, wenn er auch nur minimalste Veränderungen bewirkt. So wirken Unwetter, Sturm und Gewitter beim HD-Stream von Vikings nachdrücklich und präsent. Das Prasseln des Regens generiert hier auch einen gaaanz leichten Ansatz von Raumklang, von echter Surroundkulisse ist das Ergebnis freilich weit entfernt.
Fazit
Das neue Sounddeck von Magnat hinterlässt,auch in Hinblick auf den noch hohen Anschaffungspreis einen ambivalenten Eindruck. Anschlussvielfalt, ordentliche Diaglogwiedergabe und nettes Rumpeln auf der Habenseite, stehen fehlender Bassdruck und tendenziell bescheidene Musikwiedergabe gegenüber. Nett wäre ein OSD mit Equalizer Funktion gewesen oder zumindest mehrere DS-Programme.
Für wen lohnt sich dieses Sounddeck genau? Sicher für alle, die zig Geräte und Kabelsalat satt haben, aber ab und zu ihren Lieblingsfilm oder TV Sendung mit tonalem Nachdruck ansehen wollen. Sicher auch für diejenigen, die sich neben anderen Tätigkeiten mit Musik berieseln lassen wollen, klanglich ebenbürtig mit einem ordentlichen Radiogerät ist das Sounddeck allemal. Wer indessen auf eine Surroundkulisse mit akustischer Raffinesse Wert legt, sollte die Finger von solchen Geschichten lassen. Der Musik-Genussmensch geht letztlich, so wie ich, in sein separates Musikzimmer, sofern er kein Pantoffelheld ist und sich dort nur ein begehbarer Kleiderschrank befindet.


