Rock am Ring
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Der Samstag
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Brennende Menschen, zarte Romanzen und Callipo...
Da brennt jemand!
Nach einer unruhigen Nacht auf dem Beifahrersitz unseres Familienvans werde ich von meinen zwei geschockten Mit-Ringrockern geweckt. 10 Meter von uns entfernt hat ein besoffener Camping-Experte mit einer Spiritus-Flasche ins offene Feuer gespritzt und rennt nun mit dem Oberkörper in Flammen hinter seinen Wohnwagen. Seine Freunde folgen ihm aufgeregt.
Hm, nichts außergewöhnliches in dem Chaos, die Sanitäter kommen sofort, also nochmal umdrehen , ein bisschen weiter dösen und Kraft sammeln, für das, was uns heute bevorsteht...Metallica...schon 8 Tage ist es her, dass ich James Hetfield & Co das letzte mal live erlebt habe. Eine lange Zeit! Heute ist es endlich wieder soweit! Der Schlaf ist allerdings von Unruhe geprägt, schließlich haben die Feuerteufel eine Gasflasche direkt neben ihrem Grillfeuer liegen...aber es passiert zum Glück nix.
Noch nicht ganz wach...
Frühstück...
Erst mal Lüften...
Ein paar Stunden später bereiten wir uns auf das Abrücken Richtung Festival-Gelände vor. Wir ernähren uns vorsichtig von Corny-Müsliriegeln (Schoko-Banane ;-)). Der Worst Case wäre, hier kacken zu müssen...also lieber ein bisschen hungern, anstatt im Dixiklo umgeworfen zu werden oder sich in den Wald zu hocken, der übersäht ist, mit kleinen Klopapier-Häufchen.
Bevor es endgültig losgeht, ein fachmännischer Blick in den Himmel....meine Jacke ist immer noch nass von dem gestrigen Abend, auch die Hose ist noch nicht wirklich trocken....aber es nützt nix, ich hab nur die eine dabei. Statt der triefenden Jacke, stopfe ich mir einen Plastik-Regenüberwurf in die Hosentasche und mache mich mit vollgepackter Gürteltasche und hohen Erwartungen auf in Richtung Festivalgelände. Nachdem wir gestern so kläglich noch hinter dem 2. Wellenbrecher gescheitert sind, muss es heute weiter nach vorne gehen. Die erste Reihe wird’s wohl nicht werden, aber irgendwas unweit dahinter...das hoffen wir zumindest.
Camping-Impressionen...
Der Haupteingang...
“In Flames“ bei der Autogrammstunde...
Eine halbe Stunde später laufen wir wieder über die berühmte Rennstrecke. Am Metal-Hammer-Stand haben gerade „In Flames“ Autogrammstunde und eine riesige Menschenschlange kreuzt die Laufbahn zahlreicher „Metallica“-Fans, die schon jetzt zur Center Stage hetzen. Wir entschließen uns denen zu folgen und machen wenigstens ein paar Fotos von den Melodic Death Metallern, die ja mittlerweile gar keine mehr sind, glaubt man dem grummeligen, kritischen Ton der true'en Metal-Gemeinde. “Von der Alterna Stage dringt unbekannte Alternativ-Mucke an unsere Ohren und wir entschließen uns, uns vor der langen Stehetappe nochmal zu stärken. Bevor wir das in Angriff nehmen, gehen wir aber noch die Situation an der Center Stage abchecken, an der gerade „Alter Bridge“ ihre Arbeit aufnehmen. Wir kommen ohne große Probleme bis ganz nach vorne, stehen schließlich in der 4. Reihe.....prima...ging ja einfacher als erwartet. Also nochmal Richtung Ausgang und dann noch schnell was essen....
Schon von weitem zappelt ein kopfschüttelnder Security mit seinen Armen...
„Wenn ihr jetzt rausgeht, kommt ihr nicht mehr rein!“
Es braucht nur wenige, bange Sekunden, bis klar ist, dass wir bleiben werden. Am Wellenbrecher-Eingang herrschen derweil chaotische Zustände. Eine gigantische Masse drückt mittlerweile von hinten, während die Security die Schotten entschlossen dicht macht. Schmerzverzerrte Gesichter von Teenies, die mit Brachialgewalt gegen die Absperrung gedrückt werden. Alle paar Minuten rücken Sanitäter-Teams aus, um halb zerdrückte Kids aus der drückenden Menge rauszuziehen. Die Leute, die im ersten Wellenbrecher-Bereich stehen, schauen interessiert zu und machen zahlreiche Fotos. Spektakuläre Bilder, solche vor Schmerzen schreiende Emos. Definitiv absolut unverantwortlich und gefährlich gelöst, die undisziplinierten Ringrocker, die auch noch zu tausenden noch vorne drücken, obwohl die Security über Lautsprecher mitteilt, dass die Wellenbrecher-Schotten dicht sind, müssten die Organisatoren ja mittlerweile kennen...
So wird man der Plage Herr: Emos zerquetschen ;-)
Wir haben währenddessen verstärkt mit aufkommendem Hunger zu kämpfen und krallen uns schließlich einen der herumwuselnden Eisverkäufer. Mit Wassereis der Marke Calippo (Geschmacksrichtung Cola) werden wir uns für den Rest des Tages über Wasser halten. Besser wie nix...
Nach dem unspektakulären Auftritt von „Alter Bridge“ entern „Disturbed“ die Bühne und wecken die Meute als erster Main-Act des Tages so richtig auf. Frontmann David Draiman ist permanent in Action und bringt das Ring-Publikum spielend auf Hochtouren. Im Handumdrehen sind „ten thousand fists in the air“ und der Ring begleitet die überaus kräftige und druckvolle Performance mit tausenden springenden und singenden Zuschauern. Sehr überzeugend und eines der bisherigen Highlights, obwohl mir „Disturbed“ auf ihren Studio-Alben nie so wirklich zusagten.
Nun ist der Zeitpunkt gekommen, von unserer Randposition, zu welcher wir uns zwischenzeitlich zurückgezogen hatten, wieder in die vorderen Reihen vorzustoßen. Spielend leicht schaffen wir es in die 3. Reihe am linken Bühnenrand.
“In Flames“ on stage...
Next on stage: In Flames! Nach ihrer leicht lustlosen Performance als Support der letztjährigen „Iron Maiden“-Tour bin ich auf den heutigen Gig umso mehr gespannt. Der ihnen zugeteilte Center-Slot am Spätnachmittag bei strahlendem Sonnenschein stimmt mich skeptisch. Wenig später ist es dann so weit und Anders Fridén + Anhang entern die Bühne und starten mit einem matschigen, aber alles umdrückenden „Cloud Connected“ in ihr Set. Entgegen aller bösen Vorahnungen steht der Slot auf der größten Bühne des Mainstream-Festivals der Band überraschend gut. Nach Ausflügen durch die aktuelle Scheibe „A Sense of Purpose“ gibt es spätestens bei „Only for the Weak“ kein Halten mehr und das gesamte Center-Publikum dreht durch. Egal ob „Disturbed“-, „Nightwish“-, „Offspring“- oder „Metallica“-Fan, Tausende Menschen sind am Springen und in permanenter Bewegung, was die Band und auch ich in diesen Dimensionen nicht mal ansatzweise erwartet haben. Absolut stark! Mit zahlreichen Ansagen wird das Publikum weiter angeheizt und Frontmann Anders Fridén widmet sogar den „old people“ auf der VIP-Tribüne einige Sätze. Unvermeidlich werden im direkten Anschluss wieder zahlreiche „Scheiß-Tribüne“-Chöre angestimmt, während denen sich die Jungs von „In Flames“ ein Grinsen nicht verkneifen können. Schlichtend geht Fridén dazwischen, schmiert den Fußball-begeisterten Zuschauern noch im Bezug auf die EM ein wenig Honig ums Maul und lobt die deutsche Mannschaft, die besser als die Schwedische sei und beendet den sympathischen, Energie-geladenen Auftritt mit „My Sweet Shadow“. Wie schon beim Support für „Iron Maiden“ war der Sound ziemlicher Mist, sämtliche Melodien kamen so gut wie gar nicht an, während die Double-Bass-Teppiche in einer alles übertönenden Druckwelle das Publikum durchföhnte. Schade, aber dennoch ein absolut gelungener Auftritt.
Als nächstes wird es düsteren Mainstream-Gothic-Metal am hellichten Tage geben.....“Nightwish“ machen sich startklar, während wir uns den vorbeikommenden Eisverkäufer krallen und ihn erneut um einige Calippo-Wassereis erleichtern. Nun fällt auch die Entscheidung, dass wir diese Position nicht mehr verlassen wollen, solange uns noch ein wenig Raum bleibt, hocken wir uns auf den warmen, zugemüllten Asphalt, um noch ein wenig Energie zu sparen.
Stoßen auf massives Desinteresse: „Nightwish“
Wenig später tritt aber „Nightwish“ auf den Plan. Fehlplatzierter kann eine Band gar nicht sein! Unzählige Stinkefinger schnellen auf Anhieb in die Höhe, während die Band sich alle Mühe gibt, zumindest einen Teil des Publikums zum Mitmachen zu animieren. Schon beim ersten Song fliegt die halbe Bühne in Form von vollkommen überzogenen Pyroeffekten in die Luft. Überall sprühen die Funken, knallen kleine Feuerwerkskörper und Flammenwände schießen in die Höhe......und keinen interessiert's. Ein vollkommen desinteressiertes Ring-Publikum steht regungslos vor der Center Stage, während „Nightwish“ eine handwerklich ordentliche Show abliefern, bei der trotz unzähligen Funken der eigentliche Funke leider nicht überspringt. 2 komplette Stromausfälle während des Auftritts tun ihr übriges. Die Band verlässt die Bühne, 10 Minuten lang rennen aufgeregte Techniker hin und her, die Band kommt wieder, beginnt zu spielen.....plötzlich wieder alles still.....sehr lustig! Das Publikum überbrückt die Pausen wie immer mit schallenden „Scheiß-Tribüne“-Chören, die teilweise noch weiter zu hören sind, als „Nightwish“ schon wieder zu spielen angefangen haben. Ein eingeschobenes Instrumentalstück inklusive Gastmusiker an seltsamen mittelalterlichen Instrumenten sorgt auch nicht für bessere Stimmung. 2 Songs später ist der Spuk vorrüber und allen ist klar, dass diese Band auf der „Alterna Stage“ als Late Night Special wesentlich besser aufgehoben gewesen wäre. Aber nachher ist man immer schlauer, selbst der Marek (Lieberberg, Veranstalter von Rock am Ring)....schließlich hat er auch aus dem 2006er Fehler gelernt und „In Flames“ nicht gegen „Metallica“ auf zwei verschiedenen Bühnen antreten lassen.
Da soll noch einer sagen, Rocker hätten keine langen Rohre...
Nun stehen nur noch die US-Punkrocker „The Offspring“ zwischen uns und „Metallica“. Mittlerweile ist es recht eng geworden. Hinsetzen ist nicht mehr. Während den Umbaupausen versucht eine SWR3-Moderatorin das Publikum wieder aufzuwecken. Auf die schrecklich aufgesetzte Frage „Wie findet ihr das geilste Festival des Planeten?“ erntet sie in erster Linie „Ausziehen!“-Rufe, die unter den vereinzelten weiblichen Zuschauern zahlreiches Kopfschütteln hervorrufen.
Kurz darauf folgen „The Offspring“, die den schlechtesten Auftritt des ganzen Wochenendes auf's Parkett legen. Ein Großteil des Publikums feiert die Amerikaner zwar frenetisch ab und kann jeden Song mitsingen, was aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass das Quartett unmotiviert einen Song nach dem anderen runterzockt, ohne auch nur einmal eine Ansage ans Publikum zu richten oder sich mal auf der Bühne zu bewegen. Wortlos verlässt man mit einem flüchtigen Winken eine knappe Stunde später die Bühne. Unglaublich schwach, einfallslos, gelangweilt!
Da rockt ja selbst der Timo mehr: „The Offspring“ on stage...
Aber die Punk-Enttäuschung ist schnell vergessen. Zahlreiche dennoch zufriedene „Offspring“-Fans verlassen die Meute und wir kämpfen uns noch ein paar Meter weiter zur Bühnenmitte vor. An Hinsetzen ist mittlerweile nicht mehr zu denken, die Sonne geht unter, die Anspannung steigt und wird kurz darauf gekonnt von der SWR3-Moderatorin wieder auf den Boden der Tatsache zurückgeholt....“Wen wollt ihr sehen?“ - „METALLICA!“ - „Wen?“ - „METALLICA!!“ - „Was ist das geilste Festival des Planeten?“ - „AUSZIEHEN!“...oder so ähnlich...unglaublich nervig und vollkommen Fehl am Platz. Die Aufforderung eine Laola am späten Abend zu machen, wird mit zahlreichen Stinkefingern unsanft beantwortet. Wenig später hat sie's dann endlich begriffen und räumt die Bühne. Die Metallica-Crew installiert derweil fleißig Pyros und wir beratschlagen uns bezüglich der Playlist.....werden wir etwas Neues zu hören bekommen (also etwas, was wir noch nicht live gehört/gesehen haben ;-)), wird es vielleicht sogar einen neuen Song geben, wie wird das Publikum abgehen? Fragen über Fragen, die kurz darauf vom „It's a long way to the top“-AC/DC-Intro einer Adrenalinwand Platz machen. Wir wissen mittlerweile, was zu tun ist....Arme hoch, mitklatschen! Von der (Scheiß-)Tribüne aus blendet ein Scheinwerfer mitten ins Publikum, dort steht gerade Markus Kafka und stimmt die MTV-Zuschauer mit irgendeinem Scheißgeschwafel auf das bevorstehende Konzert ein. Die später gesichtete TV-Aufzeichnung bestätigt das Vorurteil natürlich. Der ehemalige Redakteur des Metal Hammers (!) schafft es sogar, ins „The Ecstacy of Gold“-Intro reinzuplappern. Live vor Ort bekommen wir davon zum Glück nichts mit...alle Hände sind oben, die Bühne ist majestätisch beleuchtet, das Publikum wird von allen Seiten mit tausenden Watt angestrahlt und schließlich weicht die Gänsehaut der Anspannung, denn gleich wird es einmal mehr mit „Creeping Death“ losgehen. Ich hake mich bei meinen Kumpels ein, damit wir uns im folgenden Moshpit-Tummult nicht verlieren. Wir sehen den O-Saft-Becher von der Bühne fliegen und wir befürchten das schlimmste......“Creep“ startet und es passiert........ gar nicht's. Der erste Moshpit formiert sich erst gute 10 Meter hinter uns, wir stehen zu viert eingehakt wie ein altes Ehepärchen und werden von ringsherum skeptisch beäugt. Niemand scheint zu verstehen, was unser gegenseitiges Einklammern soll. Whatever...die Gefahr ist vorüber, bzw. war in unserer Position nie vorhanden, folglich lösen wir uns aus unserer leicht nach hinten losgegangenen Verankerung und beginnen mit dem, was wir am besten können...Mitgehen, Lieder raten und Ansagen raten....und es soll eines der besten „Metallica“-Konzerte unserer bisherigen Fan-Laufbahn werden.
Das „Ride the Lightning“-Trio bestehend aus „Creeping Death“, „For whom the bell tolls“ und dem gleichnamigen Titeltrack des Albums bleibt, wird aber mit einer Kraft und Spielfreude rausgehauen, die den ganzen Ring aus den Latschen haut. Das Publikum ist unglaublich laut, aktiv und überraschenderweise äußerst textsicher.
Immer ein Gesichtsausdruck irgendwo zwischen Darmverschluss und multiplem Orgasmus: „Metallica“-Basser Robert Trujillo
Als nächstes folgt „Harvester of Sorrow“, in dessen bedrohlich aufbauenden Intro der Ring so laut wird, wie selten zuvor. Die Bass-Drum-Schläge werden mit ohrenbetäubend lauten „Hoi“'s begleitet, was sich hartnäckig bis in die erste Strophe reinzieht. Mit einem breiten Grinsen wirken die 4 Horsemen selbst überrascht, angesichts der Mitsing-Chöre, die ihnen heute entgegen rollen. Nach dem Solo baut die Band eine kleine Pause ins Stück ein, Hetfield hält die Augen geschlossen, die Lichtanlage strahlt das Publikum mit voller Kraft an...ein Moment für die Ewigkeit, Anspannung, Adrenalin, auf den Leinwänden sieht man Hetfield's Gesicht in Großaufnahme...Zoom auf die geschlossenen Augen....plötzlich öffnet der Rhythmus-Gott sie, blickt dämonisch in Kamera und bricht ein perfekt einsetzendes „Harvester“-Ende von der Stange. Gigantisch!
Anschließend ein kurzer Gitarrenwechsel und es geht weiter mit der Load-Halbballade „Bleeding Me“, welche im Gegensatz zum Pinkpop-Festival hier nicht auf Unkenntnis stößt. Mit ausdauerndem Klatschen wird das cleane Intro begleitet und die schätzungsweise 80.000 Zuschauer kleben Hetfield bei jedem Wort regelrecht am Mund. Alles und jeder singt mit und „Metallica“ haben sichtlich Freude an der überragenden Performance des Festival-Publikums. „Bleeding Me“ selbst kommt dank der Publikums-Unterstützung noch 2 Klassen kraftvoller daher, als noch auf dem Pinkpop. Wuchtig, perfekt vorgetragen, die Spielfreude der Band wirkt regelrecht greifbar.
„Do you want some stuff from „Kill 'em all“?“....die obligatorische Frage beantwortet das Publikum mit einem schallenden „Yeah“...Hetfield antwortet: „No!“....es donnert zurück „YEAH!“...“No!“....“YEAH!!“...“No!“....“YEEAAH!!“...“No Remorse......“....und der Hanni ist glücklich. Mein Wunschsong wird gespielt und von jetzt an kann nicht's mehr schief gehen. Netterweise kommt nun auch Hetfield auf unsere Bühnenseite und steht geschätzte 6-7m von uns entfernt und er genießt die auflodernde Euphorie, die ihm entgegen brandet sichtlich. Die einschüchternde und gleichzeitig sympathische Authorität, die er austrahlt, wenn er so nah vor einem steht, ist jedes mal auf's Neue beeindruckend. Das Publikum folgt jeder Bewegung, jeder Forderung ehrfürchtig und als in der Bridge der Befehl kommt „Say hello to my friend Lars!“ wird der Jubel in ohrenbetäubender Lautstärke an den oft kritisierten Drummer weitergegeben, der sich im selben Moment bei dem übelst schnellen Snarewirbel abmüht, der leider nicht mehr ganz so einwandfrei gelingt, wie noch vor ein paar Jahren. Der folgende Thrash-Teil gelingt dafür tadellos, die Gitarren rattern so präzise, wie schon lange nicht mehr, Basser Robert Trujillo sorgt für ein gewaltig drückendes Fundament und auch Lars Ulrich ist wieder im Takt.
Im direkten Anschluss folgt der „Reload“-Groover „Devil's Dance“, der genauso frenetisch abgefeiert wird, wie die Old-School-Klassiker der Band. Erneut fällt das erstaunlich textsichere Publikum auf. Vor uns hat sich ein Mädel platziert, welches jedes Wort perfekt mitsingt...dagegen bleiben wir mit einigen, wenigen Lyrics-Lücken fast blass. Die Gute sah übrigens nicht mal schlecht aus, es scheint doch noch einen Gott zu geben ;-)
Dann „...And Justice For All“, dessen per Band eingespieltes Gitarren-Intro in bester „Fear of the Dark“-Manier mitgesummt wird. 10 Minuten und einen gerade so geretteten dicken Fehler von Ulrich später, ist die Stimmung noch immer am Anschlag. Wenn man dieses Publikum sieht, ist es beinahe unverständlich, wieso die Band den Song nach der „Justice“-Tour wegen schwacher Publikums-Reaktionen für immer aus ihren Setlists verbannen wollte. Das der Ring hier derart positiv abschneidet, hätte ich zu keinem Zeitpunkt erwartet, beantwortete er doch 2006 beim komplett chronologisch korrekt nachgespielten „Master of Puppets“-Album noch Hetfield's Frage „What song is next?“ mit einem betretenen Schweigen.
Anyway, „Fade to Black“ und „Master of Puppets“ sind für uns keine große Überraschungen, wir brüllen die Songnamen schon knapp eine Minute, bevor die Band die Songs anstimmt, wofür wir erstaunte Blicke und vereinzeltes Kopfschütteln rundherum ernten. Das Mädel vor uns dreht sich um und meint lächelnd „Nicht schlecht!“ ....1:0 für uns ;-)
„Do you want something really fast?“, unterbricht Hetfield die aufkeimende zarte Romanze. Ein donnerndes „Yeah“ schallt ihm entgegen, wir kündigen routiniert „Whiplash“ an und keine 5 Sekunden später tritt Lars Ulrich überraschend regelmäßig in die Double Bass und startet.....“Whiplash“....was sonst? ;-) Sehr witzig ist hier zu beobachten, wie sich Kreise in der Menge bilden, in denen kleine Emo-Kids einfach so im Kreis laufen. Sieht von unten wahnsinnig bescheuert aus, in der MTV-Übertragung erschließt sich dann aber doch der Reiz des ganzen. Aus der Totalen rockt der Blödsinn dann doch ziemlich. Hier kommt die Crowd auch nochmal verstärkt in Bewegung und wir werden kurz ein wenig hin und her geworfen, was sich aber recht schnell wieder legt.
Und plötzlich ist sie weg...vom Moshpit in die Ferne getragen und wie gerufen startet die Band ins traurig-melancholische „Nothing Else Matters“....während tausende Feuerzeuge in die Höhe schießen, wische ich mir eine Träne aus dem Auge...es hat nicht sollen sein, vielleicht gibt’s ja noch irgendwo da draußen mehr Frauen, die alle Metallica-Lieder auswendig mitsingen können...;-)
„I'm your dream, make you real, I'm your eyes......“
Ungewohnt ganz ohne Instrumente singt Hetfield die erste „Sad but true“-Strophe und verlässt dann langsam das Mikrofon, um dem Publikum die Show zu überlassen, welches das Angebot textsicher wie es ist, gerne annimmt. Sehr coole Einlage und das anschließend dann auch verstärkt gespielte „Sad but true“ drückt wie immer wie Sau, langweilt mich aber beim mittlerweile vierten Mal.
Der einzige Kritikpunkt am heutigen Konzert ist eigentlich nur der immer gleiche Zugabenblock bestehend aus „Nothing Else Matters“, „Sad but true“, „One“ und „Enter Sandman“.
Bei „One“ kündigen wir jeden Pyroeffekt treffsicher an, das verpulverte Feuerwerk ist dennoch jedes Mal auf's Neue beeindruckend. Es folgt wie angekündigt „Enter Sandman“, vor welchem Hetfield auf ganz lustige Weise über die Großleinwände mit dem Publikum spielt. Beim Chart-Hit selbst lässt sich die Menschenmenge nicht zweimal bitten und springt die ganzen 7 Minuten ausdauernd mit, während der Refrain mit einer einmal mehr beeindruckenden Stimmgewalt mitgegröhlt wird.....dann kurze Pause....Hetfield fragt „Oh yeah?“......und das Publikum antwortet zielsicher mit „Yeah!“, worauf die Band unterstützt von einer weiteren Feuerwerks-Salve das Ring-Publikum langsam dem Sandman überlässt.
Doch wir wissen ja, dass da noch was kommt. Die ganze Tour über bestand das große Finale aus „So what“, „Last Caress“ und dem Must-Have „Seek & Destroy“, das wird dann heute leider nicht anders sein.
Minuten vergehen (so kommt's einem zumindest vor), die Bühne erstrahlt in einem traumhaften Blau-Ton......dann gehen die Scheinwerfer wieder an und die Band entert die Bühne wieder mit einem Lied, das wir nicht kennen.....Skandal!....das kann nur ein neuer Song sein. Begeistert grinsen wir uns an und saugen jede Sekunde andächtig auf....Wow, klingt das cool Old-School-ig.....kein Wunder, im Refrain bricht das provisorische Riffing zusammen und Hetfield klärt die verdutzte Menge auf, dass es sich um ein kleines „Saxon“-Tribute handelte, die parallel zu „Metallica“ auf der Zeltbühne vor einem verschwindend geringen Metal-Publikum spielen dürfen...oder müssen. Wenn etwas Old School ist, dann „Saxon“...übrigens die Band, für die „Metallica“ ihr zweites Konzert überhaupt als Support spielten. Eine nette Geste jedenfalls, die einmal mehr mit frenetischem Jubel belohnt wird und den blöd positionierten „Saxon“ sicher den ein oder anderen neuen Fan bescheren wird.
Also doch kein neuer Song......und jetzt „So What“.....Lars Ulrich schlägt die Hihat an....1 mal...2mal...3mal...4mal....5mal....für „So What“ hätten 4 Schläge genügt......6mal...7mal...8mal...“Die, Die, Die My Darling“...was für ein Fest. Wir überschlagen uns regelrecht vor Begeisterung und zum zweiten mal nach „Creeping Death“ am Anfang bildet der Ring wieder ohrenbetäubend laute „Die!“-Chöre und singt das ganze Misfits-Cover über begeistert mit.
Dann Spannung....was als nächstes? Noch was Neues? Lars Ulrich kündigt mit einem passablen Trommelwirbel die letzte große Überraschung des Abends an.....kein „Last Caress“, sondern nichts Geringeres als „Motorbreath“ bricht über das begeisterte Publikum herein.
Die Ansage
„I wanna see some action out there!“ bricht die nächsten überdimensionalen Moshpits vom Zaun, glücklicherweise mit einigen Reihen Sicherheitspuffer zu uns. Mit einem breiten Grinsen bedienen die Herren Hetfield & Hammett ihre Gitarren und beglücken das ausdauernde Publikum mit einer immens schnell gespielten Version des „Kill 'em all“-Klassikers. Präzise rattern die rechten Hände, Hammett's Finger fliegen tighter denn je über's Griffbrett, Hetfield's Stimme hat eine ähnliche Power wie in den ganz alten Tagen, Ulrich bleibt im Takt und das Publikum glänzt einmal mehr mit Textsicherheit und ausgeprägten „Hoi, Hoi, Hoi“-Chören. Ein Träumchen!
Und es wird wieder einmal mit dem Über-Klassiker „Seek & Destroy“ vollendet.....kurz davor einmal mehr das „Thank you, Good Night!“-Spielchen, auf das Hetfield jedes Mal auf's Neue ein donnerndes „Noooo!“ erntet....er schlussfolgert „One more?“ und es schallmeit „Yeah!“ zurück....er schaut prüfend in die Runde und meint verschmitzt grinsend ganz kleinlaut „Okay..........it's simple.....SEEK..“ ...und das Publikum vervollständigt einmal mehr in ohrenbetäubender Lautstärke „AND DESTROY!“.
Das Stimmungs-Barometer, oder Zerometer, wie wir's scherzhaft in unserer kleinen Festival-Clique nennen (weil wir von guter Stimmung bei Rock-Konzerten unter Umständen ein ganzes Jahr lang
zeh
ren müssen ;-)), erreicht seinen Höhepunkt und die Menge explodiert regelrecht in einem gigantischen Showdown voller Mitsingen, Mitspringen, Mitmachen....80.000 Menschen sind wie in einer anderen Welt und einmal mehr steht er vor uns und ruft lachend in die Menge „Sing it loud“ und „Seek & Destroy“ donnert es zurück. Hetfield grinst zufrieden und bleibt auch noch die zweite Strophe über bei uns und wir alle tun unsere verdammte Pflicht. Bei den letzten Riffs schießen erneut Flammensäulen in den schwarzen Ringrocker-Himmel, Hetfield bedankt sich und startet ins letzte Riff des Abends, welches erneut von arschlauten „Hoi Hoi Hoi“-Chören begleitet wird.
Und dann ist es wieder vorbei.....bis zur angekündigten Indoor-Tour im Frühjahr 2009! Die Bandmitglieder läufen noch knappe 10 Minuten über die Bühne, werfen Plektren und Drumsticks ins Publikum und nutzen die gesamte 50m-Bühne, um sich zu allen Seiten hin mehrfach zu bedanken. Zeit, die sich nicht mehr viele Bands nehmen. „Rage against the machine“ verließen die Bühne am Vorabend schon nach einer knappen Minute. Die Fan-Nähe wird hier noch, so gut es eben bei einer Band dieser Größe geht, äußerst sympathisch und ehrlich zelebriert und die Spielfreude und Dankbarkeit, die die Jungs bei jedem Konzert auf's Neue an den Tag legen ist und bleibt zu jeder Sekunde spürbar und greifbar. Diese Stimmung ist auch nach dem vierten Metallica-Konzert noch allgegenwärtig und wir sind angesichts der überragenden Setlist und des unglaublich gut gelaunten Publikums schlichtweg sprachlos.
„Metallica 2008“ im Doppelpack hat sich definitiv gelohnt und die nächste Tour wird definitiv wieder mit der selben Strategie besucht...dann werde ich wohl auch die Drohung an meine Eltern wahr machen und sie zu einem Metallica-Konzert auf die Tribüne einladen. Versprochen ist Versprochen, vielleicht gibt’s ja dann nächstes Jahr einen Metallica-Konzertbericht von meiner ganzen Familie...so viele haben wir ja hier noch nicht ;-)
Aber zurück zum Ring....80.000 Menschen strömen Richtung Ausgang, ein paar wuschelige Studentenköpfe zweigen zur Alterna-Stage ab, von wo aus irgendwelche alternativen Klänge rüberschwappen....ich krieg nix mit, bin immer noch wie in Trance....eine knappe Stunde später sind wir am Auto.......diesmal wird nicht gepennt, sondern heimgefahren, denn einen weiteren Tag ohne ausgedehnte Sitzung auf der Toilette machen unsere verwöhnten Verdauungsapperate nicht mit.
„Hoi Hoi Hoi“ schallt es aus dem Radio und wir fahren durch die stockdunkle Nacht in Richtung Bitburg...zum Kacken...