freeman hat geschrieben:Das Szenario in BR ist deswegen plausibler, weil es aufs Wesentliche reduziert ist. Eine kurze Exposition, und schon ist man im Spiel und der Schwerpunkt verlagert sich auf Gruppendynamik, menschliches Drama und blutige Action. THE HUNGER GAMES hingegen malt weitschweifig eine völlig unsinnige Zukunft aus, eine Rom-Analogie, deren Struktur so stabil wie ein Kartenhaus auf dem Kopf wirkt. Das Spiel selbst verliert, in dem während des Spiels die Regeln geändert werden, und statt auf die Dramatik des Kampfes zu vertrauen, werden "geniale" Ideen wie bekloppte Monsterhunde eingeführt. Und dann ist man beim Finale, und der Zuschauer ist rechtschaffen überrascht, dass der kurze und beschissen gefilmte Kampf auf dem Blechteil der Höhepunkt gewesen sein soll.
Bei dem Abschnitt bin ich als "Nurfilmseher" aber vollkommen auf kamis Seite. Ich denke, als Nichtkenner des Buches kann man kaum zu einem anderen Schluss kommen. Vor allem das IM FILM entworfene Zukunftszenario aus Brot und Spielen, in trashig bunten Klamotten aber funktionaler Architektur ist vollkommen unglaubwürdig und inhomogen. Auch fehlen einem zu den Hungerspielen viele wichtige Informationen, weshalb sie eben auch nie glaubwürdig wirken. Nur mal so die Fragen, die mir im Kopf rumspukten: Warum geht von Katniss District überhaupt wer hin? Was bringt ihm das, was bringt es dem District? Es ist ein Tribut wegen einem Aufstand, schon klar, trotzdem scheint da im Film kein echter Zwang da zu sein. Und was ist so toll an den Games? Wieso gibt es eine Kaste, die sich sogar gezielt darauf vorbereitet? Was bringen einem die Spiele? Wie es anhand von Woody ausschaut, ja nur einen The Jugger ähnlichen sozialen Aufstieg für EINE Person in höhere gesellschaftliche Schichten. Was bringt es aber dem District? Im Film erfahre ich darüber nichts und deshalb nimmt man halt auch die Materie nicht wirklich ernst. Also zumindest mir ging es so. Und da ist dann freilich das Fehlen echter Höhepunkte und eben von Intensität wirklich problematisch, von den von mir auch schon angesprochenen witzlosen Regeländerungen ganz zu schweigen. Dass das einen als Buchkenner eventuell nicht stört, weil man da Lücken ausm Kopf füllen kann, glaube ich gerne. Die anderen sehen aber nicht viel mehr als einen uninspirierten ABER unterhaltsamen Zitatenflickenteppich, bei dem ich eben immer das GEfühl hatte, dass zu viele wichtige Informationen unter den Tisch gefallen sind. Eklatantestes Beispiel: Der gestartete Aufstand, der mit was niedergeschlagen wird? Der Liebesgeschichte? Eine Behauptung, die im Film übrigens auch keine optische Entsprechung bekommt. Meine Begleitung meinte nach dem Besuch auch nur: Wird wohl in Teil II um den gestarteten Aufstand gehen, der war dem Film ja ziemlich egal bisher ...
In diesem Sinne:
freeman
Das Kapitol hat den Krieg gewonnen, die Leute dort sind dekadent (wie im Alten Rom) und leben von den Gütern, die in den Districten (= die Verlierer des Krieges) geschaffen werden (in "12" z.B. Kohle). Die Leute dort sind arm und werden nur mit dem Nötigsten versorgt (nicht einmal genug Strom hat die Verwaltung dort, um den Sicherheitszaun "scharf" zu halten). Um sich eine etwas höhere Essensration (für die Familie) zu beschaffen, können die Kinder ihre Namen mehrfach in den Lostopf geben (daher sagt Gale auch, dass sein Name über 40x drin ist, während Prim nur 1x vertreten ist). Andere Formen der Nahrungsbeschaffung sind illegal - daher auch die risikoreiche Jagd von Gale&Katniss am Anfang (die Beute wird auf dem Schwarzmarkt verkauft).
Zur Belustigung der Leute im Capitol werden die Spiele veranstaltet - und um den Verlierern des Krieges ihre "Position" aufzuzeigen. Der Sieger bekommt u.a. ein Haus und Essen auf Lebzeit, während sein District in dem Jahr zusätzliche Nahrung erhält. Daher auch die "Career Tributes". Allerdings muss er als "Strafe" auch Mentor der nächsten (Todes-) Kandidaten sein (daher u.a. Haymitch´s Alkoholproblem, zumal er im District unweigerlich zum Außenseiter wurde). Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit harten Strafen rechnen...
Der Aufstand in Rue´s District wird im Film ja mit Gewalt niedergeschlagen - doch nur für den Moment bzw. breitet er sich im Folgenden weiterhin aus: Der zweite Roman heißt schließlich auch "Catching Fire"...

In Sachen "Entwicklung der Fortsetzung" wurde ja schon einiges angedeutet, wie die Verärgerung des Regimes aufgrund der Bloßstellung, was ja u.a. zum Schicksal von Bentley´s Figur führte (siehe auch Woody´s Gespräch auf dem Dach am Ende), ebenso wie die aufflammenden Revolten in den Districts - von der Katniss-Peeta-Gale-Konstellation ganz zu schweigen. Im Roman kommt zudem deutlicher rüber, dass es Katniss in der Arena im Hinblick auf Peeta bei den Küssen und so (neben den teils irrationalen Gefühlen eines Teens, obendrein in einer solchen Extremsituation) in erster Linie um den Erhalt der Versorgungsfallschirme durch die Sponsoren ging. Aber auch die Zuschauer sollten sich das eigentlich denken können, nicht nur angesichts der mitgelieferten Nachricht - da muss man nicht unbedingt das Buch für gelesen haben. Etwas Mitdenken kann man ja erwarten. ;)
Ja, das Captitol ändert die Regeln - aber so ist das halt (stets/generell). Es geht ja schließlich nicht um Fairness, sondern um eine Show sowie Macht und Kontrolle. In ähnlichen Werken war das mit den Manipulationen ja auch schon immer so (vgl. etwa das Finale von "Gladiator"... oder ganz aktuell heute: "
DSDS", LOL). Die Hunde sind übrigens "neu" - im Buch gab es dagegen
die getöteten "Mitspieler", die reanimiert, "mutiert" und zum Töten "programmiert" wurden. Angesichts des CGI-Budgets war diese "Entscheidung zur Änderung" imo aber keineswegs verkehrt...
Klar sind viele Zitate und Versatzstücke zu finden - das fängt ja schon beim Name des Landes Panem ab, der aufs lateinische bzw. römische Sprichwort „Panem et circenses“ („Brot und Spiele“) zurückgeht - aber von "Abklatsch" und "geklaut" kann hat keine ernsthafte Rede sein, ansonsten müsste man das den meisten Filmen in irgendeiner Weise vorwerfen. Es gibt halt keine neuen Geschichten mehr.
So,
Class Dismissed.
