Die Tribute von Panem - The Hunger Games
Ich befürchte, hier mal wieder den Start einer großen Trilogie gesehen zu haben (die zudem in 4 Teilen verfilmt wird) ohne wahrscheinlich jemals im Ansatz nachvollziehen zu können, warum das Ding so erfolgreich ist.
An dem Film gibt es einfach nichts, was ihn für mich aus dem Mittelmaß heraushebt. Los geht es bei der Thematik, die für eine FSK12 einfach nicht geeignet ist. Ähnlich wie bei "World War Z" werden die Morde durch schnelle Schnitte und Wackelkamer so stark entschärft, dass man beinahe Probleme hat überhaupt nachzuvollziehen, wer noch dabei ist und wer nicht. Zum Glück gibt es wenigstens die nette Zusammenfassung per Projektion am Sternenhimmel, die zeigt wen es alles erwischt hat. Es muss ja nicht in Splatter ausarten, aber eine FSK 16 wird wenigstens notwendig sein, um das Thema auch optisch gerecht umsetzen zu können.
Zudem gibt es zu viele inhaltliche Ungereimtheiten. Warum muss die Battle Royal unbedingt von Kindern bestritten werden? Alleine das war mir zu sehr auf schockierend und skandalös gemacht. Hier wollte doch jemand nur provozieren. Zudem das einfach zu unglaubwürdig rüber gebracht wurde. Und wenn schon die Kinder dafür herhalten müssen, warum werden die dann nicht besser auf die Spiele vorbereitet? Warum bildet nicht jeder District einen Jugendlichen speziell dafür aus, um die Chancen auf einen Sieg zu steigern? Wenn ich meinen Jungen dahin schicken müsste, dann würde ich den jeden Tag 50 Kilometer joggen und danach 3 Stunden auf den Sandsack eindreschen lassen. Hier aber ergeben sich die Fähigkeiten einfach nur aus den täglichen Tätigkeiten und der Bäckersjunge kann halt schwere Sachen prima werfen, weil er ansonsten Mehlsäcke in die Ecke donnert.
Warum regt sich dagegen kein Widerstand in der Bevölkerung? Warum gibt es erst eine (kleine) Revolte als ein 12-Jährige ins Gras beißt, obwohl eigentlich klar sein dürfte das diese nur als Kanonenfutter für die Älteren dient?
Dazu der Medienrummel um die Teilnehmer. Kaum gibt man den Kids ein bisschen Schokolade und zerrt sie auf die Bühne einer Talkshow und schon fühlen sie sich wie Popstars. Das sie wahrscheinlich nur noch ein paar Stunden leben werden, ist in dem Moment absolut schnuppe. Gerade an dieser Stelle wäre deutlich mehr Medienkritik notwendig gewesen. Das hat der "Running Man" 1987 schon wesentlich besser gemacht. Begründet wird der Blödsinn mit der Notwendigkeit Sponsoren zu ködern, welche dann ab und an mal eine Wundersalbe oder ein Süppchen mit einem Fallschirm schicken. Auweia.
Die Battle Royal an sich ist auch nicht wirklich das Wahre. So fehlen ihr einfach packende Kämpfe. Gerade nach der ersten Schlacht sterben die Teilnehmer eher durch Zufälle oder irgendwelche Dummheiten. Dadurch kommt schnell Langeweile auf. Zumal sich außerdem sehr schnell eine größere Gruppe gebildet hat (natürlich gegen unsere Hauptfigur der toughen Katniss), was inhaltlich nicht nachvollziehbar ist und massiv Dynamik raus nimmt.
Was außerdem überhaupt nicht passt, ist dass von außen in die Show eingegriffen wird. Wer denkt, es handelt sich hierbei um irgendwelche coolen Fallen, der irrt sich leider. So kann statt dessen man mal schnell das Licht (= die Sonne) ausschalten, schießt Feuerbälle, um Waldbrände zu verursachen oder setzt per Handbewegung und "Zauberei" (mäßig animierte) Hunde (oder waren das Raubkatzen?) in das Kampfgebiet.
Abschließend lässt sich noch die Charakterdarstellung kritisieren. So ist gerade die Entwicklung von Peeta, dem Kampfgefährten von Katniss, nicht wirklich nachvollziehbar. Auch die Beziehung der beiden untereinander ist etwas merkwürdig. Sollte das etwa eine Romanze sein?
Bei allen negativen Kritikpunkte kann man sich den Film aber doch auch anschauen. Irgendwie weiß er doch etwas zu unterhalten. Das viele Geld, das in dem Film steckt, muss sich ja aber auch irgendwie bemerkbar machen. Auch Woody Harrelson hat mir spaß gemacht, auch wenn er gefühlt zum 1000. Mal denselben Charakter gespielt hat.
Insgesamt fühlt sich das Werk leider doch nach "viel Lärm um Nichts" an, bei dem ich mich immer noch frage, warum sowas einen so großen Erfolg hat. Mal sehen wie Teil 2 so ist. Der hier kommt gerade mal auf
P.S. weiß eigentlich jemand, warum der Film auf DVD in einer limitierten "District One Edition" rausgekommen ist? Die Hauptfiguren kommen doch aus District 12 und aus District 1 kamen doch die Arschlöcher?! Das passt aber irgendwie auch zum Film. Nichts Halbes und nichts Ganzes.