Spider-Man
Der Auftakt und damals schon eine Art Pilotprojekt fürs Superheldenkino, obwohl "Blade" und "X-Men" bereits die Zugkraft von Comicadaptionen dieser Art bewiesen hatten. Raimis Film ist toll getrickst, erzählt eine mittlerweile stereotype, damals aber noch recht frische Superhelden-Origin-Story und hat dosiert eingesetzte Action zu bieten. Der vielleicht menschlichste aller Superhelden als Konzept steht "Spider-Man" gut zu Gesicht, ebenso die Entstehung des Green Goblin als jemand, der quasi unschuldig zum Superschurken wird. Problematisch wird es aber in den Details: Der Slapstick, etwa wenn Peter seine Spinnenfähigkeiten entdeckt, ist bisweilen albern, die Action ist teilweise sehr CGI-überladen (was sich bald zum unschönen Trend in Superheldenfilmen entwicklen sollte) und die gewisse Längen, ungeschliffene Dialoge sowie holzschnittartige Charakterisierungen kann "Spider-Man" durchaus vorwerfen.
Spider-Man 2
Die angeblich so meisterliche Fortsetzung, die erneut den unschuldig schuldigen Superschurken hervorzaubert, der als tragische Figur funktioniert, ebenso die Darstellung des Verhältnisses von Harry zu Peter, das unter Harrys Hass auf Spider-Man leidet. Auch die Darstellung von Peters Liebe zu MJ zeigt Raimi mit Liebe für die Seite des Underdogs, auch wenn man bisweilen zu denken beginnt, dass MJ eine ziemlich taube Nuss und nur bedingt sympathisch ist. Doof nur, wenn das ganze Drumherum zwar irgendwie stimmig ist, der Mainplot Superheld-contra-Superschurke aber absolute Standardware ist, die Actionszenen in seelenlosem (und teilweise überraschend schlecht gemachtem) CGI-Bombast untergehen und der Film sein eigenes Konzept vom menschlichen Superhelden teilweise total untergräbt, etwa wenn der Spinnenmann durch Abstützen mit den Füßen eine außer Kontrolle geratene Hochbahn abstoppt als sei er der Man of Steel. Extra Brechreizpunkte für die peinlich-pathetische Szene, in der die geretteten New Yorker den verletzten Spidey mit jesusähnlicher Anbetung crowdsurfen lassen.
Spider-Man 3
Der vielgehasste dritte Teil der alten Trilogie... und meines Erachtens der beste von Raimis Spidey-Filmen, der in vielen Punkten das einlöst, was die Vorgänger andeuteten oder nur versprachen: Wirklich ambivalente Bösewichter, gerade in der Figur des Sandman wunderbar dargestellt, nicht einfach nur nette Leuten, die durch Experimente immer böser werden, wechselnde Allianzen und nachvollziehbare Beziehungsprobleme zwischen MJ und Peter, da erstere Probleme hat ihren Superhelden mit ganz New York zu teilen. Nicht alles ist perfekt, hin und wieder hat "Spider-Man 3" Probleme alle Sachen unter einen Hut zu bekommen (weshalb mancher Fiesling eine vom Drehbuch schlapp erklärte Zwangspause bekommt), nach 300 Mio. Dollar Budget sehen die Effekte nicht immer aus und wie so häufig leidet die Action unter Wackelkamera und CGI-Overkill. Nicht perfekt, aber in der Charakterzeichnung wesentlich stärker als die Vorgänger.
The Amazing Spider-Man
Man merkt es schon: Mit Raimis Trilogie bin ich nie so hundertpro warm geworden, deshalb halte ich das Reboot nach kürzlicher Zweitsichtung zwar für nicht perfekt, aber den wohl bisher besten Spider-Man-Film. Der düsterere Einschlag (Nolan lässt sanft grüßen) und die verstärkte Körperlichkeit in den Actionszenen haben mich mehr angesprochen als Raimis Filme. Zwar muss Webb (von der Vorlage her?) einiges aus dem Raimi-Film wiederholen, Eigenständigkeit sehe ich da aber durchaus: Peter ist nicht mehr das Milchbrötchen aus den klischeehaften Highschool-Comedy, sondern ein selbstgewählter Außenseiter, sein Spider-Man ist frecher, vorlauter und ungestümer, womit er mehr Fehler begeht als Raimis Spidey - das "Aus großer Kraft erfolgt große Verantwortung"-Dilemma scheint bei der Neuauflage noch mehr gegeben, etwa wenn Peter indirekt für Connors' Transformation zum Lizard verantwortlich ist. Der Schulbully hat hier mehr Tiefe, Onkel Bens Tod verschuldet dieser Peter Parker wesentlich direkter (was seine Schuld vergrößert). Natürlich hat Webb den Vorteil, dass "Spider-Man" und Superhelden allgemein anno 2012 Kassengaranten waren, deshalb kann er ein wesentlich dichteres Netz spinnen als Raimi 10 Jahre zuvor: Oscorp steht immer als Player im Hintergrund, die Vorgeschichte um Peters Eltern wird angerissen und lässt den Zuschauer nach mehr dürsten, was die Fortsetzungen dann bringen sollen. Auch hier geht es nicht ohne den gelegentlichen Slapstick (auf den ich gerne verzichten könnte), die Pathos-Momente (Kranszene) und das durchgenudelte Konzept des unschuldig schuldigen Superschurken, dafür gibt es Emma Stone als wunderbare Gwen Stacy und Denis Leary als ihren Papa, während Garfield weder besser noch schlechter als Maguire in der Hauptrolle erscheint.

The Amazing Spider-Man: The Rise of Electro
Leider fährt der Nachfolger genau die beiden Elemente zurück, die ich am Vorgänger schön fand, vor allem in den Actionszenen ist viel mehr CGI-Gewusel drin, was Webb immerhin dadurch ausgleicht, dass er durch die Freeze-Frame-Einlagen mit den Möglichkeiten von 3D experimentiert. Die mehreren Gegenspieler sind an sich kein Problem, eigentlich sind es ja nur zwei (Rhino hat einen besseren Gastauftrittt), nur leider ist Electro IMO ein ziemlich langweiliger Gegenspieler mit mauer Motivation - blöd für einen Film, der mit dem Untertitel "The Rise of Electro" heißt. Muss man eigentlich erwähnen, dass hier mal wieder ein netter Mensch durch ein schiefgelaufenes Experiment und so weiter? Dagegen fand ich Harry Osborn mitsamt seiner Hintergrundgeschichte schon wesentlich interessanter. Seine"Turbokrankheit" ist allerdings schon reichlich inkonsistent, wenn man sieht wie lange sein Vater noch normal aussah. Die Nebenplots um Gwen, Peters Vergangenheit und Oscorps Machenschaften gehen in Ordnung, nur hin und wieder wirkt der Film etwas überladen, geradezu dreist wird aber auf Sequels und das "Sinister Six"-Spin-Off hingearbeitet, wenn bei Oscorp schon Waffensystem wie die Doc-Ock-Tentakel zu sehen sind. Trotzdem: Durchaus kurzweilig das Ganze, gegen Ende mit Mut, aber mir wäre ein Film im Stile des Vorgängers noch etwas lieber gewesen, dann hätte er selbigen vielleicht sogar übertrumpfen können.






