Hatte damals nicht das Gefühl, dass der Film so stark besprochen wurde. Da meiste, was ich las, pendelte sich (wie hier im Thread) bei "solide" bis "ganz gut" ein.
Ich kann da nur mitgehen, hab den Film erst nach "Pans Labyrinth" gesehen und dann (wie viele andere) als Probelauf für den Oscar-Darling erachtet. Die Mischung aus Coming-of-Age, Melodrama und Geisterhorror ist ähnlich, ebenso das Setting, nur dass del Toro seine Ebenen weniger gut übereinander bekommt und noch dazu weniger konsequent ist. Die Bombe steht als Mahnmal des Krieges da, den "Pans Labyrinth" wesentlich drastischer zeigte, aber der Krieg bleibt ein Schatten, eine Ahnung, mehr nicht. Auch der Grusel wird an die Kette gelegt, erst im letzten Drittel traut sich "The Devil's Backbone" mehr aufzudrehen, wobei die dosiert eingesetzten Effekte durchweg Charme haben. Am besten ist aber der Drama-Part, was sich auch darin äußert, dass die Hauptfigur den kindlichen Geist bald wie einen anderen Waisenheim-Jungen behandelt (was er ja früher auch war) und dabei die Klippen des Aufwachsens unter schwierigen Bedingungen navigiert. Auch die Beziehungen der Heimbewohner sind gut beobachtet; nur wenn sich eine Figur gegen Ende als Fiesling erweist, dann wird es klischeehaft und eindimensional. Durchweg gut gespielt ist das Ganze aber, die Ideen des Regisseurs sind (gerade mit "Pans Labyrinth" im Kopf) schon zu erkennen, aber - so ehrbar der Verzicht auf Radau sein mag - ein paar mehr und knalligere Genre-Elemente hätten es schon sein dürfen.
tl;dr: Full Ack zum Vince.

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