Seine Passivität auf dem Action-Regiestuhl war für viele Fans eine Katastrophe. Und nun, 18 Jahre nach seinem letzten richtigen Actionblockbuster Mission: Impossible II, kehrt John Woo wieder zu dem zurück, was er am besten kann. Menschen mit zwei Pistolen im Anschlag durch die Luft zu wirbeln.
Inhalt:
Der Anwalt Du Qiu (Hanyu Zhang) wird des Mordes beschuldigt. Anstelle sich der Polizei zu stellen versucht Du Qiu seinen Namen wieder reinzuwaschen, während der Polizist Yamura (Masahara Fukuyama) ihm dicht auf den Fersen ist.
Der Meister des Heroic Bloodshed ist also wieder da. Weiss John Woo noch, wie er die Tauben fliegen, das Blut spritzen und die Helden Treppen hinunter fliegen lassen muss?
Gebannt sassen wir vor der weissen Wand, auf welche der Beamer sein scharfes Bild projezierte und versuchten die typischen Merkmale eines John Woo-Films zu erkennen. Weisse Tauben flogen in Slow Motion durch das Bild, Gangster und Helden mit zwei Pistolen im Anschlag, Jäger und Gejagter sind sich ähnlich, die Figuren tragen Trenchcoats und Sonnenbrillen – was will der Fan mehr? Alle Markenzeichen eines John Woo Films sind vorhanden.
Und wann immer sich eine filmgeschichtsträchtige Woo-Szene zu entwickeln scheint und sich unsere Köpfe der Aufregung wegen einige Zentimeter näher der Leinwand näherten, vollführte Woo einen sehr merkwürdigen Move. Er zog zurück. Der Ansatz von coolen Actionsequenzen erstickte er immer wieder im Keim. So sahen wir zwei ordentliche Killer-Schwestern, die gleich zu Beginn einen Trupp Bösewichter über den Jordan schickten. Dies jedoch in einer völlig drucklosen und erschreckend normalen Szene. Was war hier nur los? Zudem, war das CGI-Blut?
Auch das erste Aufeinandertreffen von Du Qiu und Yamura hätte alles gehabt, was eine John Woo-Szene ausmacht. Und es flogen wirklich einige Tauben durch das Bild. Aber speziell war die Szene keineswegs.
Die Beziehung zwischen Yamura und Du Qiu kam ebenfalls nie so richtig in die Gänge. Obwohl beide Darsteller gut in ihre Rollen gepasst haben, hat sich hier nie das Gefühl eingestellt, wir sehen einen coolen Leinwandduo zu wie damals Chow Yun-Fat und Danny Lee in The Killer oder Chow Yun-Fat und Tony Leung in Hard Boiled.
Aber, Manhunt ist grundsätzlich kein schlechter Film. Wäre die Erwartungshaltung, welche am Namen des Regisseurs hängt, nicht vorhanden, könnten wir jetzt von einem ordentlichen asiatischen Actionthriller reden. Geht aber leider nicht, ob dem Wissen, was ein John Woo alles schon auf die Leinwand gebracht hatte.
Fazit: Manhunt wirkt als Film eher “soft boiled”. Es scheint so, als ob der Altmeister keine Lust mehr auf sein von ihm geprägtes Genre des Blutballetts hat. Sehr schade. Da hat ein grosser Mann schwach abgeliefert.
