
Technische Daten:
Vertrieb: Nuclear Blast
Laufzeit: 52:13
Titelanzahl: 11
Discs: 1
Extras: Keine, CD kommt im netten Schuber mit spacig-stylishen Booklet
Tracklist
1. Join The Scene
2. I Get What I See >mp3
3. Summer Of Overload
4. Watch Out
5. 9-5
6. Show Me Your Real Darkness
7. Confusion Bay
8. The Devil
9. Insane
10. Morning Rise And A Friday Night
11. Bleeding # 2
Kritik:
Einst gestartet als dänische Garagenband, die Songs von Slayer und Metallica coverten, nahmen Jesper Andreas Tilsted (Gitarre/Keyboards), Jesper Kvist (Bass) und Morten Toft Hansen (Drums) Lars Christensen (Gitarre) und Lars Vognstrup (Gesang) in ihre Band auf und nannten sich Raunchy (dreckig/schlüpfrig). 1995 nehmen sie ihr erstes Demo auf. Sie machen in dieser Formation bei einem Musikwettbewerb den zweiten Platz und veröffentlichen kurz darauf ihr zweites Demo. Als ein nationaler Radiosender auf sie aufmerksam wird, steht einem Deal mit Drug(s), einem Sub-Label von Mighty Music, nichts mehr im Wege. 2000 nehmen Raunchy "Velvet Noise" auf, dass auf begeistertes Echo stößt. Ursprünglich als Liveverstärkung gedacht, holt man sich Jeppe Christensen (Keyboards) an Bord und es gelingt ein Vertragsabschluss mit Nuclear Blast, der "Velvet Noise" europaweit auf den Markt wirft.
2004 wuppen sie "Confusion Bay" in die Ladenregale und setzen den mit "Velvet Noise" begründeten, selbst als Futuristic Hybrid Metal bezeichneten Stil fort. Leider geht Sänger Lars Vognstrup kurz vor Veröffentlichung des Albums und wird durch Kasper Thomsen ersetzt. Was dies für Veränderungen bringen wird, soll das am 17.2.2006 erscheinende "Death Pop Romance" zeigen ...
"50 fags, Jim Bean, two wizards and me sitting in the street
A beat up bird with dragon blood sees me and joins the scene
So many pretty girls all over the world
I've got love for you all, the little ones the fat ones and the tall ..."
Der Starter "Join the Scene" baut dann gleich mal eine echte Wand aus eingängigen Riffen und Tempowechseln vor dem Zuhörer auf und macht klar, wohin die Reise gehen wird: Frontal auf die Fresse, hart schnell, laut und dabei immer hochmelodisch. Der Eingangstext macht auch klar, dass Raunchy ihrem Namen alle Ehre machen wollen und so gerät mancher Text der nächsten Stunde "schlüpfrig" bis eindeutig zweideutig. Auch gesanglich wird hier die Pace gesetzt: Sänger Lars Vognstrup schreit die Strophentexte ins Mikro, bleibt dabei aber IMMER verständlich und schluckt demzufolge nicht das Mikro, um sich dann mittels gutturaler Laute verständlich zu machen. Die Refrains der Songs liefert er mit klaren - verblüffend melodischen und eindrucksvollen - Gesang, der das Geschrei der Strophen weniger konterkariert, als es vielmehr zu ergänzen und um eine Nuance zu erweitern. Denn ganz ehrlich: Sobald das Geschrei losgeht, glaubt man wahrlich nicht, dass hier gesanglich viel geboten werden wird! Welch frappierender und wohltuender Irrtum.
"I Get what i See" bestätigt einerseits die eingeschlagene Richtung, überrascht aber bereits in der Strophe mit sehr tiefer Gesangsstimme. Abwechslung wird groß geschrieben und Abwechslung bekommt man denn auch. Auch werden hier zum Beispiel ein zwei elektronische Elemente mehr aufgefahren als im Starter. Zum Ende hin wird das Stück dann fast schon sphärisch. Nein, hier wird kein Song wie ein anderer klingen.
Der "Summer of Overload" geht dann nur nach vorn und ist eine Art Kniefall vor der Moshpittmeute: So setzt es kurze Abschnitte zum Verschnaufen um danach sofort wiedee loszubrettern. Kurzum, der Song ist hochgradig "hüpfbar" ;-) und hochgradig elektronisch verseucht, bestreitet doch hier Keyboarder Jeppe Christensen gar eine Art Solo. Nach den drei Songs weiß man nun bescheid. Raunchy werden kein einheitliches Konzept vom Stapel lassen, denn Einheitsbrei ist nicht ihre Art und so ist "Watch Out" mit keinem der vorhergehenden Titel wirklich zu vergleichen und setzt gesanglich im Refrain ein wahres Highlight, da dieser fast hymnisch anzumuten versteht. "9 - 5" fordert dann von dem Zuhörer sein Leben zu überdenken, kann es doch nicht angehen, dass man seine meiste Zeit damit verschwendet von 9 - 5 Uhr zu arbeiten. Man könnte da doch so viele viel angenehmere Sachen machen (suck my dick ...). "Show me your real darkness" geht dann erstmals mit dem Tempo etwas deutlicher herunter und bietet eine kleine Verschnaufpause ohne ins balladeske abzurutschen. Einen großen Verdienst daran haben die Abschnitte der tiefen Singstimme, die hier fast schon die Bassregionen des HIM Frontmannes Ville Vallo erreicht.
Mit einem elektronischen Intro kündigt sich dann der Titelsong des Albums an: "Confusion Bay", der in dem Gesangspart fast nur elektronische Elemente auffährt, um auch im Refrain eher poppig denn Metallike daherzukommen. "Confusion Bay" ist vermutlich der radiotauglichste Song des Albums, werden hier doch auch die "Schreipassagen" deutlich zurückgefahren und liegt die Betonung auf harmonischen Gesang. Gleich darauf geht es ungewöhnlich weiter: "The Devil" ist die Ballade des Albums und eines der stärksten Stücke. Die tiefe Bassstimme (zusätzlich elektronisch verfremdet) dominiert das extrem dunkle Stück, dass ohne große Temposchwankungen und jede Schreipassage auskommt und absolut überzeugen kann. Songs nach diesem Strickmuster hätte man getrost ein oder zwei mal mehr auffahren können!
"Insane" ist die Bombe des Albums. Hüpfbar, schreibar, prügelnd, nach vorne gehend, hörbares Adrenalin! Und wenn der Sänger mittendrin schreit: Does it hurt you motherfucker? möchte man schreien YEAH und als hätten Raunchy das gehört drehen sie noch mal weiter auf. Grandios. Wessen Puls nach dem Stück nicht schneller geht, der ist vermutlich tot ... Und Raunchy haben gar nicht mehr vor, mit dem Tempo runterzugehen. "Morning Rise and a Friday Night" setzt einen wieder vor eine riesige Wand aus - meine Oma würde sagen - Krach und hat fast schon punkige Züge, um in den Refrainabschnitten wieder wunderbar hymnisch zu werden. Im Mittelteil gibt es einen minimalistischen Abschnitt mit einem ruhigen Keyboardsolo, das übergeht in sphärische, elektronisch verfremdete Stimmen und ausklingt mit einem fetten Soundteppich aus wunderbaren Gesang, E-Gitarreriffen und gelungenen Backgroundvocaleinsatz. Hammer. Der Rauswerfer "Bleeding # 2" setzt einen Song namens Bleeding des Debütalbums fort und dürfte das Stück mit dem meisten Keyboardeinsatz sein. Und so liefern Raunchy hier nicht etwa einen runtergepaceden letzten Heuler, nein sie liefern einen genialen Up-Tempo Song der eine Repeatschleife zum Eingang fast schon zwingend herausfordert.
"Confusion Bay" ist deutlich durchproduzierter als der Vorgänger "Velvet Noise" und auch wenn der Begriff durchproduziert sonst eher dafür steht, dass einer Band die Ecken und Kanten weggehobelt wurden, heißt durchproduziert im Sinne von Raunchy nur: Abwechslungsreicher, härter, gesanglich ausgereifter, einfach professioneller und besser! "Confusion Bay ist ein absolutes Brecheralbum, dass auch nicht den normalen Abnutzungserscheinungen unterliegt, dazu ist es zu variantenreich, unverbraucht und immer wieder aufs neue überraschend! Wie sich das Folgealbum aus der Affäre ziehen wird, interessiert mich mittlerweile mehr als brennend!
In diesem Sinne:
freeman





