
Technische Daten:
Label: AR-EXPRESS (Sony BMG)
VÖ Deutschland: 13. Juni 2008
Anzahl Tracks: 12
Format: Audio-DC, Schallplatte
Band:
Vocals: Bryan "Dexter" Holland
E-Gitarre: Kevin "Noodles" Wasserman
Schlagzeug: Pete Parada
E-Bass: Greg Kriesel
Tracklist:
1. Half-Truism
2. Trust In You
3. You're Gonna Go Far, Kid
4. Hammerhead
5. A Lot Like Me
6. Takes Me Nowhere
7. Kristy, Are You Doing OK?
8. Nothingtown
9. Stuff Is Messed Up
10. Fix You
11. Let's Hear It For Rock Bottom
12. Rise And Fall
Kritik:
“Woo-oooh-oooh, yeaah-eaaah-eaaah” – The Offspring sind wieder da. Fünf Jahre nach ihrem letzten Geniestreich „Splinter“ melden sich die US-Gute-Laune-Punker aus Orange County mit einem neuen Album zurück: Eine Greatest Hits-Compilation überbrückte 2005 die Wartezeit, nun ist das 90er-Jahre-Kultquartett (fast) in alter Stärke wieder auf den Bühnen und in den Plattenläden der Welt vertreten. „Rise and Fall, Rage and Grace“ nennt sich das neue Werk und kann seinem direkten Vorgänger, der 2004 mit Überkrachern wie „Hit That“, „Can’t Get My Head Around You“ oder „The Noose“ als famoses All-Killer-No-Filler-Inferno aus den Boxen fegte, zwar nicht ganz das Wasser reichen, reiht sich aber dennoch souverän in den konstant hohen Qualitätslevel der Offspringschen Diskografie ein und stellt ein mehr als überzeugendes Comeback dar, das alle Charateristika der Jungs aus OC California in altbewährter Klasse abfeiert: Epische Refrains, Dexter Hollands charakteristischer Gesang, Oh-Oh-Oh-Mitgröhlchöre und schnelle Gitarren machen auch „Rise and Fall, Rage and Grace“ zu fetzigem und dabei durchaus vielseitigem Punkrock-Spaß.
Mit „Half-Truism“ starten die Offspringer temporeich und mitreißend in ihren neuesten Studio-Output, steigern sich in einen wahrhaft epischen, wunderbaren Refrain, der atmosphärisch eher schwer als flockig-leicht daherkommt und der Scheibe einen souverän gelungenen Einstieg beschert. Wer am Comeback der Jungs dennoch noch Zweifel hegen sollte, wird spätestens mit dem zweiten Track „Trust in You“ überzeugt: 100% Offspring kommt der Song als vielleicht typischste und eingängigste Nummer der Scheibe daher, die auch auf jedem der Vorgängeralben gut Platz gefunden und sich als heißer Vorab-Single-Kandidat empfohlen hätte. Im Refrain an Eingängigkeit und Ohrwurm-Charakter kaum zu überbieten, nach etabliertem Schema aufgebaut und mit Tempo und Elan vor den Latz geknallt – genau so hat ein Offspring-Song zu klingen!
Mit „You’re Gonna Go Far, Kid“ schließt sich ein Überhammer an, der die beiden bereits starken Eingangssongs noch mühelos hinter sich lässt und wahnsinnig mitreißend in die Gehörgänge des Zuhörers groovt, um sich dort mindestens für die nächsten drei Wochen festzusetzen – vergleichbar mit legendären Hits wie „The Kids Aren’t Allright“ transportiert der hymnisch-leidenschaftliche Refrain den geneigten Fan auf Poppunk-Wolke 7 – Dexter Holland und co. beweisen mit diesem Track eindrucksvoll, dass sie nichts verlernt haben und noch immer Party-Hits schreiben können, denen irgendwann live mühelos ein Platz direkt neben „Self Esteem“ und co. zugestanden werden kann.
Es folgt die erste Single-Auskopplung „Hammerhead“, die „You’re Gonna Go Far, Kid“ nicht ganz das Wasser reichen kann, aber ebenfalls im allerbesten klassischen Offspring-Sound nach vorne geht – auslautende Oooohhhhhhs werden wie gewohnt in so ewige wie epische Längen gezogen, Noodles bearbeitet punktgenau seine Gitarre und Dexter zelebriert typischste Offspring-Gesangslinien.
„A Lot Like Me“ weicht erstmals vom bewährten Band-Sound ab, klingt eingangs, als hätte es genauso gut auf aktuellem Linkin-Park-Material Platz finden können, macht in seinem grandiosen Refrain jedoch klar, dass wir es hier noch immer mit Dexter Holland am Mikro zu tun haben: Eine atmosphärische unglaublich starke Midtempo-Hymne mit leidenschaftlichem Gesang und eher ernsterer denn Feier-Stimmung mit hohem Gänsehaut-Faktor. „Takes Me Nowhere“ fällt demgegenüber etwas ab, zieht sich als grundsolide, temporeich heruntergezockte Rocknummer aber gut aus der Affäre und vermag das bislang durch die Bank überzeugende Niveau zu halten, auch wenn die Hitqualitäten der Vorgängersongs hier fehlen.
Der erste schwache Track der Scheibe folgt mit „Kirsty, Are You Doing Okay?“, wo sich die Offspringer an einer Ballade versuchen. Vielleicht sollten sie das lieber den Kollegen von Green Day überlassen, denn wenngleich der Song nicht wirklich schlecht ist, plätschert er doch arg lahm und nichtssagend vor sich hin. Besserung bringt „Nothingtown“: Zwar ebenfalls kein Überhit, aber ein solide rockender „Filler“, der vor allem mit starken Strophen punktet. Wer den Zeitpunkt nun wieder als reif für einen weiteren Kracher erachtet, wird mit „Stuff Is Messed Up“ mehr als bedient: Gleichzeitig der kantigste und aus den gewohnten Offspringschen Standard-Melodiekonzepten ausbrechende und grandiosest rockende Song der Scheibe. Wer beim gleichermaßen brachial wie poppig abgefeuerten Lalalalala-Refrain still sitzen bleiben kann, sollte schnellstens überprüfen, ob er nicht bereits tot ist – „Stuff Is Messed Up“ rockt gnadenlos alles nieder und markiert zusammen mit „You’re Gonna Go Far, Kid“ das Überhighlight von „Rise and Fall, Rage and Grace“.
Eindeutig keinen Gefallen tun sich die Offspringer damit, diesem Gute-Laune-Abgeh-Monster die Green Days „American Idiot“-Balladen ähnelnde Schnarchnummer „Fix You“ folgen zu lassen, die sich als klarer Tiefpunkt des neuen Albums herausstellt. Die Abschlusstracks „Let’s Hear It For Rock Bottom“ und „Rise and Fall“ versöhnen als grundsolide, wenn auch eher unspektakuläre, punkige Rocksongs, wobei vor allem letzterer dem Hörer noch einmal die volle Packung klassischen Offspring-Sounds kredenzt.
Fazit: Nach fünfjähriger Abstinenz melden sich die US-Poppunk-Götter von The Offspring mit „Rise and Fall, Rage and Grace“ eindrucksvoll zurück: Noch immer haben Dexter, Noodles und co. eingängige Killerhymnen, Ohrwurm-Refrains und Uptempo-Offensiven im Gepäck, mindestens zwei Überhits und bis auf zwei missglückte Balladen keinerlei Ausfälle an Bord. Comeback geglückt!



