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[CD] Mnemic - Mechanical Spin Phenomena

Verfasst: 04.02.2006, 17:36
von Vince
Mnemic
Mechanical Spin Phenomena

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Technische Daten
Vertrieb: Nuclear Blast
Laufzeit: 61:41 Min.
Anzahl der Tracks: 10
Extras: Videoclip: "Ghost"
Booklet: 12 Seiten
Verpackung: Jewel Case mit Pappschuber

Tracklist
1. Liquid
2. Blood Stained
3. Ghost
4. DB'XX'D
5. Tattoos
6. The Naked And The Dead
7. Closed Eyes
8. Mechanical Spin Phenomenon
9. Zero Gravity
10. Blood Stained (Rhys Fulber's Euphoric Recall Remix)

Kritik
Step right up, Ladies & Gentlemen! Take a look at fuckin’ Denmark - and watch out! It’s freakin’ Danish Dynamite!

Auf der Metal-Landkarte fristete das dänische Königreich bislang eher ein Bettlerdasein, doch in jüngster Vergangenheit sprossen Hoffnungsträger zu Massen aus dem Boden. Wer die kleinen Dänen bislang eher spöttisch beäugte und gerade beim Gedanken an Metal ein hämisches Lächeln nicht von der Fressspalte bekam, sollte schon bald eines besseren belehrt werden.
Schlängelten sich Raunchy bis zu ihrem Make it or break it-Album Confusion Bay (2004) noch etwas durch die Sphären, verlief die Spur bei der ersten großen Metal-Hoffnung Dänemarks, Mnemic, deutlich stringenter: Das Debüt “Mechanical Spin Phenomena” schoss 2003 auf Anhieb in die Höhe, griff sich gleich mal den Danish Metal Award und bekam gerade mal ein Jahr später einen kleinen Bruder: “The Audio Injected Soul” konnte man 2004 ja fast schon Mainstream nennen...

Mnemic ist eine Wortkreation, die den Versuch der Band demonstriert, sich den gängigen Schubladenzuordnungen zu entziehen. Mainly Neurotic Energy Modifying Instant Creation möchte man daraus verstanden wissen, die Deskription des Prozesses, der zum Resultat in Form eines Phänomens führt, das sich aus einer sich um die eigenen Achse drehenden Mechanik ergibt. Zu hoch? Ja, hört sich ziemlich abgehoben an, ist es aber eigentlich keineswegs. Die Semantik des Debüts ist selbstreferenziell. Der Bandname bezeichnet den Prozess - eine spontanneurotische Eigenkreation aus einem energetischen Antrieb heraus - der zu einem Ergebnis in Form des Albumtitels führt - einer mechanischen Gedankenspirale, einer Musik gewordenen Hermeneutik.“Mechanical Spin Phenomena” verspricht also, wieder und wieder gehört werden zu müssen, damit man es versteht. Und so ist es in der Tat.
Der Bandname “Mnemic” ist nämlich auch von dem griechischen Wort für “Gedächtnis” abzuleiten. Ein solches braucht man für jene hermeneutische Spirale, die hier losgetreten wird. Ansonsten bliebe dieses Monster nichts als ein silbern schimmernder Metallklumpen.

Gerne nennen Mnemic ihren Stil auch Future Fusion Metal, aber bevor es jetzt hier zu mythisch wird: All diese Begriffe flashen saumäßig, sind genial konstruiert und geben vor, innovativ zu sein, sie können ihre Wurzeln aber nicht verleugnen. Und diese Wurzeln haben im Wesentlichen zwei Namen: Fear Factory und Meshuggah.
Future Fusion Metal ist nicht neu, die Schubladen strecken bereits wieder ihre unbarmherzigen Hohlräume nach der Band aus und drohen sie zu verschlingen. Was wir hier geliefert bekommen, ist allerfeinstes Recycling der Stilelemente von Thrash-, Industrial- Sci-Fi- und Death-Metal-Ikonen. Der Geist von Fear Factory steckt in jeder metallischen Pore der neun komplexen Songs, die weniger individuell als vielmehr gebündelt auf den Zuhörer eindreschen. Wenn man sich nun noch die Riffgewitter von Meshuggah hineindenkt, erahnt man bereits, in welche Richtung man sich hier begibt.

Nun, “keine Zeit” scheint man sich hier jedenfalls gedacht zu haben und brettert drei der besten Songs des Albums gleich mal auf dessen erste drei Plätze. “Ghost” war die erste Singleauskopplung, und Nuclear Blast hat gar ein Video springen lassen (das mich überhaupt erst auf die Band anspringen ließ), wenn auch in einer etwas kürzeren Variante. Auf dem Album klingt der Song noch eine ganze Ecke dreckiger. Vocalist Michael Bogballe kommt hier kaum zum Gesang, vielmehr wippt er sich extrem stark groovend durch den Korpus des Songs, der auf dem Klimax immer wieder in erstklassiges Geshoute mündet. Derweil malträtieren Mircea Gabriel (einstmals Mercenary) und Rune Stigart die Gitarren mit steten rhythmischen Wechseln, als gäbe es kein Morgen. Kurz vor dem Ende blitzen dann noch Space-Grooves aus den Keys in den Song. Dabei sind wir gerade beim ersten Durchgang noch ganz benommen von den etwa gleichwertigen Vorgängern; “Blood Stained” ist ein vergleichsweise recht melodischer, nichtsdestotrotz halsbrecherischer Vorgänger, dem am Ende des Albums ein genialer Remix zuteil wurde, und “Liquid” ist ein Opener, wie man ihn sich nur wünschen kann.
Im Mittelteil (“DB’XX’D”, “Tattoos”, “The Naked And The Dead”, “Closed Eyes”) zeigt vor allem Drummer Rasmussen, was er drauf hat: Der Junge ist auf Speed und wird bei jedem einzelnen Song aufgepasst haben müssen, nicht die Drumsticks im Wirbel zu verlieren. “DB’XX’D” erinnert durch einen Chorwall im Hintergrund noch mit am stärksten an das Gerüst eines Fear Factory-Songs. Zwischendurch kommt Michael sogar dazu, ein paar gesungene Vocals loszulassen, wo er sich allerdings noch in der zweiten Garde befindet. Nicht, dass er in Sachen Gesang defizitär wäre, einem Burton C. Bell kann er hier allerdings lange nicht das Wasser reichen. Die Qualitäten liegen eher in seinem fliegenden Wechsel von rhythmischem Shouting und berstendem Gekreische, das teilweise geniale Hooks provoziert, die sich erst nach mehrmaligem Hören ergeben. Überhaupt, wie schon zu Beginn angemerkt, entfalten sich die Details um so stärker, je mehr Hördurchgänge erfolgen. Nach zehn Durchläufen sollte der Hörer so weit sein, den brillanten Krach zu differenzieren und zu ordnen. Und damit, was sich da ergibt, zeigt “Mechanical Spin Phenomena” dem letzten Fear Factory-Output (“Transgression”) in einem Kräftemessen junger Wilder mit müden Helden den Auspuff.

Speziell die extrem dynamische Ruhelosigkeit macht dieses Album zu einem in jeder Sekunde aufregenden Nackenbrecher. Jeder einzelne Song ist für sich bereits mehrfach gebrochen durch Tempowechsel, Speed-Differenzen, ungewöhnliche Songkonstrukte, scheinbar nicht zueinander passende Melodien. Auch dadurch bekommt man das Gefühl, einem einzigen einstündigen Komplex zuzuhören, denn so wie die Songs flüssig ineinander übergehen, bieten sie intern haufenweise Bruchstellen und sind gleichzeitig dennoch in der Lage, diese zu überbrücken und jeden Song in sich geschlossen wirken zu lassen. Das ist das eigentlich Geniale an diesem Album.

Der auf Platz 8 gesetzte Titelsong bricht das Schema durch seine hymnische Anordnung ein wenig, aber nicht ganz, da er mittendrin doch wieder die beschriebenen Brüche vorweist, wenn er halt auch auf Anhieb zugänglicher und eingängiger wirkt als seine Vorboten. “Zero Gravity” schließt mit Atmosphäre in Reinform, der Konstruktion einer industriellen Landschaft durch Synth-Effekte und einen gemächlichen Spannungsaufbau, der selbst NIN-Hörer aufhorchen lassen könnte. Damit ist das Album beendet; der “Euphoric Recall Remix” von “Blood Stained” aus dem Fundus von Rhy Fulber setzt dem Kunstwerk die Krone auf.

Man sollte ein Debüt vielleicht nicht derart euphorisch bewerten, und dieser Gedanke hing mir im Kopf, seit ich mich an das Album gewöhnt hatte. Nun, nach fast zwei Jahren, hat “Mechanical Spin Phenomena” jedoch nichts von seinem ursprünglichen Glanz verloren. Wieder und wieder landet es fast selbstverständlich im CD-Player, vermag es einfach jedes Mal, mich wieder mitzureißen, erscheint nie langweilig und ist immer wieder eine Offenbarung. Sicherlich gibt es auch Schwächen: Der Mittelteil, obgleich auch er seine definitiven Vorzüge hat, schwächelt etwas in Sachen Melodieführung, Sänger Michael ist nicht ganz so der begnadete Sänger und ganz generell ist man selbstverständlich keineswegs auf einem Niveau mit den großen Vorbildern. Auch wirkliche Innovationen oder gar Revolutionen sucht man selbstredend vergebens, weshalb die Höchstnote sicherlich nicht in den Bereich des Möglichen fällt. Ich möchte allerdings durch die extremste Annäherung an die Höchstnote bildlich machen, welche Energie in diesem Debüt einer der vielversprechendsten Hoffnungen des dänischen Metals ist. “Mechanical Spin Phenomena” ist die maximale performative Ausreizung des Möglichen - deswegen
:liquid9:

Extras
Als Extra hat man das Video zu “Ghost” beigepackt (3:41 Min.), das wohl auch seinen Anteil am Erfolg hatte. Wenigstens für mich stellte es sich als verlockender Bauernfänger heraus. :wink:
:liquid1:

Artdesign
Das Debüt kommt (oder kam zumindest seinerzeit) in einem gewöhnlichen CD-Case, das wiederum in einem Pappschuber steckte. Das Coverartwork ist definitiv ein cooles Ding und hat sicherlich mit dazu beigetragen, dass ich entgegen meiner Angewohnheiten mehr oder weniger blind zu diesem Album gegriffen habe. Fear Factory-Freunde werden sich bei diesem industriell anmutenden Motiv verbunden mit dem sehr coolen Schriftzug des Bandnamens wohl gleich wie zu Hause fühlen. Die Trackanordnung auf dem Backcover kommt auch herrlich spiralförmig, und die CD selbst wird gar mit einer rubinroten Unterseite geliefert.
:liquid9:

Fazit
Die Formel ist ganz simpel: Wer Fear Factory zu seinen Lieblingen zählt, dürfte mit Mnemic eigentlich fast todsicher auf der richtigen Spur liegen. Die Dänen haben ihre Wurzeln zwar ganz klar im Fahrwasser der Meister und sind deswegen zweifellos eine Kopie, aber eben eine sehr gute. Alle Unentschlossenen mögen sich bitte sofort zur Hörprobe begeben, aber nicht vorschnell urteilen. Wenn man denn einen schnellen Eindruck braucht, empfehlen sich folgende Anspieltipps: Liquid, Blood Stained, Ghost, The Naked and the Dead.

Testequipment
AIWA NSX-SZ315

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Verfasst: 04.02.2006, 18:11
von MysteryBobisCREEPY
Cool! Man wirds kaum glauben, ich hab es bis heute noch nicht geschafft, mir eine einzige Mnemic Scheibe zu besorgen! :(

Verfasst: 04.02.2006, 20:00
von Carcass77
Das ist wirklich ein sehr cooles Album, "Tattoos" ist einfach der Hammer. Trotz der unüberhorbaren Anleihen von Fear Factory und vor allem Meshuggah (die aber wesentlich eintöniger agieren und deren Genialität vor allem auf Polyrhtythmen basiert) klingt das alles relativ eigenständig.

Für das Review natürlich wie immer both thumbs up! :guitarist
Hast Du die Rezi für den nicht viel schlechteren Nachfolger schon in der Pipeline? :wink:

Verfasst: 04.02.2006, 22:55
von Vince
Carcass77 hat geschrieben: Hast Du die Rezi für den nicht viel schlechteren Nachfolger schon in der Pipeline? :wink:
Ein bisschen schlechter isser imo schon... trotzdem nicht schlecht. :wink:
Tja, mal sehn... irgendwann auf jeden Fall, ich hab's allerdings nicht eilig. Also falls einer selbst will, nur zu! :wink:

Verfasst: 05.02.2006, 10:47
von The rejected
Verdammt Vince!!
Jetzt muss ich mir wohl doch mal eine Scheibe von denen holen! Dass du auch immer so gute Rezis machen musst! ;)

Wenn ich endlich mal Live Shit fertig hab, review ich mal die Fear Factory Scheiben.

Verfasst: 05.02.2006, 13:50
von freeman
Fear Factory Reviews? :shock: :shock: :shock: Immer her damit!

@ Vince: Ich glaube ich kenne von denen Videos. Hilf mir mal auf die Sprünge: Was passierte in dem Ghost Video? (ich kann so Videos meistens eher zuordnen zu Mucke als Liedtitel ... warum auch immer)

Das Review ist genial und ich werde demnächst beim Müller meiner Wahl eine Proberunde drehen!

In diesem Sinne:
freeman

Verfasst: 06.02.2006, 16:57
von Vince
@Therejected: Mach mir den Mund nicht so wässrig! :D Ich würde mich jedenfalls tierisch über Fear Factory-Reviews freuen und auch auf das Live Shit-Ding bin ich schon sehr gespannt.
freeman hat geschrieben: @ Vince: Ich glaube ich kenne von denen Videos. Hilf mir mal auf die Sprünge: Was passierte in dem Ghost Video? (ich kann so Videos meistens eher zuordnen zu Mucke als Liedtitel ... warum auch immer)
Im Ghost-Video stehen die Jungens alle in so ner Art Kellerraum, überall Metallplatten und irgendwelche technischen Vorrichtungen. Ist halt zunächst nen klassisches Metal-Video, wo die alle nur da stehen und Mucke machen. Der Frontmann hat ein weißes Hemd an (wie nennt man die noch gleich, halt so ne Art Kettenhemd, nur aus Stoff, die halt so leicht durchsichtig sind), die anderen ein entsprechendes schwarzes. Später sieht man dann die Skyline einer Stadt und die ganzen Hochhäuser, wo sich überall Videotafeln befinden, auf denen man den Frontmann singen sieht.

Verfasst: 06.02.2006, 17:23
von freeman
Hm, kommt mir bekannt vor ... is aber nune leider net das seltenste Motiv ...

Mist ... Also auf zum Müller!

In diesem Sinne:
freeman

Verfasst: 06.02.2006, 17:25
von Vince
Johooo! Mach das und hör mal rein, es lohnt sich. :wink:

Leider gibts die Pladde inzwischen wieder nur zum Vollpreis. Zwischenzeitlich gabs die mal für 9€...

Verfasst: 08.02.2006, 09:39
von The rejected
Vince hat geschrieben: auf das Live Shit-Ding bin ich schon sehr gespannt.
Ich muss nur noch mal die DVD von der Justice Tour angucken, dann kommts endlich.
Scheiß Schulstress.... :x