The Fire In Our Throats Will Beckon The Thaw

Technische Daten
Vertrieb: Hydra Head Records
Laufzeit: 58:44 Min.
Anzahl der Tracks: 7
Extras: Keine
Booklet: 8 Seiten
Verpackung: Jewelcase
Tracklist
1. Last Day of Winter (9:36)
2. Autumn into Summer (10:44)
3. March to the Sea (11:37)
4. • (4:43)
5. Red Ran Amber (11:20)
6. Aurora Borealis (4:55)
7. Sirius (5:47)
Kritik
Der Pelikan - ein Wasservogel, der die gegenseitig angrenzenden Elemente Wasser, Luft und Erde beherrscht. Eine triptychonale Schichtung, die von der Post-Rock-Band “Pelican” als stetig existentes Leitmotiv auserkoren wurde. Die Natur bekommt eine musikalische Entsprechung zu ihrer eigenen Akustik, aber auch zu ihrer Optik (Cover) und am wichtigsten: zu ihrer Atmosphäre.
Pelican machen ungewöhnliche, unkommerzielle Musik. Behäbige, schwerfällige Gitarren, die tiefgestimmt durch ihr Medium wabern und das Resultat dem “Sludge”-Genre zuweisen. Atmosphärisch gibt es zudem starke Einflüsse aus dem Doom Metal-Bereich. Isis, bei deren Label “Hydra Head Records” auch Pelican unter Vertrag stehen, beherrschen einen ähnlichen Sound. Doch das Ungewöhnlichste wird wohl der Umstand sein, dass auf einen Sänger verzichtet wird. Die Musik ist rein instrumental. Eine Parallele zu den auch thematisch ähnlich gelagerten “Red Sparowes”, die ihre Geschichten einzig und alleine über die ausgewalzten Songtitel erzählen.
“The Fire In Our Throats Will Beckon The Thaw” hält sich auch diesbezüglich - abgesehen vom Albumtitel - sehr kurz. Sieben Songs, von denen vier Stück um die 10-Minuten-Marke kreisen, mit recht überschaubaren Titeln, die da lauten unter anderem “The Last Day of Winter”, Red Ran Amber” oder einfach “•“. Textlich-semantischer Minimalismus, und puristisch wird alles auf Atmosphäre und Dramaturgie eingeschworen, die Laurent Lebec und Trevor de Brauw an den Gitarren, Larry Herweg am Schlagzeug und Bryan Herweg am Bass einspielen.
Die Songtitel beschreiben überwiegend Naturphänomene aus einem Spektrum vom Ordinären (“Autumn into Summer”, der Wechsel der Jahreszeiten) bis zum Besonderen (“Aurora Borealis”, das Polarlicht) oder dem Speziellen, ewig Existenten (“Sirius”, der hellste Stern im Nachthimmel aus dem Sternbild des “Großen Hundes”).
Das Album verbiegt sich nun unter diesen Stichpunkten in einer schwerfälligen, teils aber wunderschönen Dramatik eines Theaterstückes, mit Wechseln vom Pessimistischen ins Optimistische oder umgekehrt. Alleine die ersten beiden Songs erlangen hierdurch eine symbiotische Dynamik. Der “letzte Tag des Winters” beginnt mit einer schleppenden, depressiven Grundmelodie und bedeutet das Ende einer Ära, bevor der Wechsel vom “Herbst in den Sommer” mit einer deutlich euphorischen Ausrichtung auch gerade durch die Rückwärtsgewandtheit (normalerweise wandelt sich der Sommer in den Herbst) das Zyklische an den Jahreszeiten verbildlicht und zeigt, dass kein Ende von allem existieren muss, da es immer wieder einen Winter geben wird, einen Frühling, einen Sommer und einen Herbst. Der “March into the Sea” - eine doppelt so lange Version existiert auf der fast gleichnamigen EP “March in the Seas” - verwandelt die neu gewonnene Erkenntnis in pure Entschlossenheit und läuft zielstrebig in das fremdartige neue Element hinein, das Wasser. Auch hier kehren die Zyklen wieder wie die Wellen auf dem Meer, Ausdruck verliehen durch markant dröhnendes Gitarrenspiel und ein dominantes Schlagzeug, das aufschlägt wie Gischt, sprühend und schillernd.
Das Zwischenspiel “•“ zeigt sich melodisch und verspielt, eine Akustikgitarre gibt den (leisen) Ton an und will sich an dem wiederkehrenden Rhythmus des Vorherigen gar nicht lange aufhalten - Variabilität, Individualität ist das Thema. Doch “Red Ran Amber” erlangt die alte Power wieder zurück (immer im Sinne von Markanz, niemals ist bei diesem Album Schnelligkeit gemeint) und verwandelt sich in der Halbzeit in einen schillernden, kreischenden Klimax, bevor behäbige Schläge der Drumsticks und eine zaghafte Saitenführung die Ruhe nach dem Sturm heraufbeschwören - der sich schließlich in einen erneuten Klimax ergießt.
Zwei funkelnde Sterne zum Schluss: “Aurora Borealis” fühlt sich an wie das rotblaue Schimmern am Horizont im Zwielicht eines ausgehenden Tages, ein besonderer Moment, den man erhascht; “Sirius” schließt ab mit dem rhythmischen Blinken der Strahlen eines runden Korpus, die ihn zu dem gezackten Ding machen, das wir abstrahiert als “Stern” kennen. Und dann wird es lauter, lauter, lauter - und endet abrupt.
Alles nur die Imagination des Hörers, der fehlende Informationen durch eigene Konstruktionen ersetzt und sich ein Bild von etwas macht, das eigentlich viel mehr Gefühl als greifbares Fakt ist.
Die Intention der Werke von Pelican ist schnell hinterfragt. Wortwörtlich: Wo ist der “Sinn”, die “Aussage” dahinter, die Natur lautmalerisch zu beschreiben? Auf jegliche Begleittexte zu verzichten und einfach nur das Existentielle zu deskribieren, in ihm schwelgen, ohne ihm selbst etwas hinzufügen zu können? Doch konzeptionell ist dem Werk kaum ein Vorwurf zu machen. “The Fire In Our Throats Will Beckon The Thaw” wächst nicht unbedingt mit der Zeit, es schrumpft aber auch nicht, und von Beginn an liegt ihm die Größe seines eigens erwählten Gegenstands zugrunde, der Natur und ihren Elementen. Die Dramaturgie ist intensiv und abwechslungsreich, trotz ihrer langsamen Art, die einen Kontrapunkt zur technischen Frickelei setzt, welche sich grundsätzlich gerne als Perfektionierung der Musik versteht. Pelican haben Zeit, denn sie beschreiben etwas immer Währendes.
Extras
Keine.
Artdesign
Das Cover zeigt einen verwaschenen, graublauen, bewölkten Himmel, der irgendwo in der Mitte in einen Horizont übergeht. Der Clou an diesem Cover: Das Deckblatt des Booklets und somit das Cover selbst ist halbtransparent. D.h. man kann einzelne Elemente vom Innenteil des Booklets hindurchsehen. Dadurch bekommt es von außen, obwohl lediglich in ein gängiges Jewel Case verpackt, einen edlen, vielschichtigen Look. Atmosphärisch gibt es ziemlich gut die Stimmung des Albums wieder: Dunkle, verwaschene Stellen, die sich mit aufkeimendem Licht abwechseln.
Fazit
Vergleichsweise könnte man Bands wie "Jesu" oder die "Red Sparowes" nennen, um zu überlegen, ob sich der Kauf lohnt. Ein bekannteres Gegenstück ist "Isis". Wer deren Sound mag und mit einem reinen Instrumental-Album keine Probleme hat, und wer es auch nicht unbedingt technisch-schnell-komplex braucht, sondern wem Atmosphäre wichtiger ist, der könnte mit "The Fire In Our Throats Will Beckon The Thaw" glücklich werden.
Der Nachfolger "City of Echoes" ist übrigens gerade releast worden.
Testequipment
AIWA NSX-SZ315
Weitere Bilder






