Die Auftaktszene ist famos: Mann geht von der Makro- (Erdball) zur Mikroebene (Datenhighway) und zeigt wie diese und die Ebenen dazwischen miteinander verknüpft sind, wenn der Hack des Fieslings zur nuklearen Katastrophe führt. Leider ist das ein Niveau, das der Rest vom Film nie wieder erreicht. Unglaubwürdig finde ich Hemsworth als Hacker nicht; selbst wenn er im Showdown zur Waffe greift, ist er kein Meisterschütze (vielleicht immer noch etwas zu gut, aber was soll's) und seine Knastzeit erklärt ja seine Fitness und seine Kampffähigkeiten - gerade daran zu sehen, wenn er sich im Gefängnisstyle auf das Finale vorbereitet (improvisierte Stichwaffen, Zeitschriften als Körperschutz). Mann hat dies vielleicht noch mit einer entsprechenden Knastszene untermauern können, aber er muss ja nicht alles zu Tode erklären. Das Problem der Figur ist ein ganz anderes: Sie ist uninteressant, wird über den Superhacker, der gerne frei sein will, nicht hinausentwickelt; allenfalls die Toughness und Abgeklärtheit Nicks sind noch auffällig. Genauso sieht es auf der Gegenseite aus: Der Schurke bekommt erst kurz vor Schluss ein Gesicht, sein Motiv ist fast schon enttäuschend banal und nicht ganz nachvollziehbar angesichts früherer Taten
(jemand, der schon Millionen mit dem Soja-Coup gemacht hat und derartiges wieder machen könnte, will noch mehr Geld und will dafür eine Naturkatastrophe und zig Tote in Kauf nehmen) und wird von einer austauschbaren Schlägertruppe unterstützt. Schwach und unmotiviert die Lovestory, wenn die Schwester von Nicks Chinesen-Bro anscheinend wegen ein paar von Jahren zugeschickten Fotos unsterblich in ihn verliebt ist. Leehom Wang, Viola Davis und Holt McCallany sind da (für ihren Nebenrollenstatus) wesentlich interessanter, haben aber eher wenig Screentime.
Dass Mann ausgerechnet diese drei Figuren in einer Schießerei auslöscht, ist zwar ein wohlplatzierter Schock, kostet ihn aber die interessantesten Charaktere. Die Ermittlung ist nicht frei von Längen, wird aber in gewohnt schicke Bilder gepackt, die stellenweise aber wie Selbstzitate wirken (etwa die Bootsfahrt vor Großstadtkulisse erinnert 1:1 an "Miami Vice"). So sind die Actionszenen, von der verwackelt-verschnittenen Diner-Schlägerei mal abgesehen, gewohnt realistisch im Mittendrin-statt-nur-dabei-Gefühl mit naher Kamera und lauten Waffensounds in Szene gesetzt, gut gemacht, aber den Nachhall der Straßenschießerei von "Heat" oder der Discoszene von "Collateral" hat hier keine Konfrontation. Insofern gehen die zwei Stunden dank starker Bebilderung, gelungener, wenn auch sparsam dosierter Action und einiger Einfälle recht fix um, das Ergebnis ist also ganz okay, aber ehrlich gesagt: Ganz okay ist nicht das, was man von einem der (ehemals?) relevantesten Action- und Thrillerregisseure der Gegenwart erwartet.

Jimmy Dix: "Du glaubst wohl nicht an die Liebe?" - Joe Hallenbeck: "Doch ich glaube an die Liebe. Ich glaube auch an Krebs." [Last Boy Scout]
Perry Van Shrike: "Look up 'idiot' in the dictionary. You know what you'll find?" - Harry Lockhart: "A picture of me?" - Perry Van Shrike: "No! The definition of the word idiot, cause that is what you fucking are!" [Kiss Kiss, Bang Bang]