Irgendwie muss man die Serie ja schauen, und sei es nur, um den Netflix-Account zu rechtfertigen. Die zweite Staffel um den blinden Teufel von Hell's Kitchen hat mir, das immerhin lässt sich sagen, besser als die erste gefallen. Das liegt vornehmlich daran, dass es mit dem Punisher und Elektra zwei sehr interessante neue und ikonische Charaktere gibt, aber auch der erhöhte Actionanteil ist nicht ganz unschuldig.
Wie in der ersten Staffel und auch in JESSICA JONES siehts inhaltlich hingegen eher wieder mau aus. Verschiedene und ziemlich schwach miteinander verknüpfte Handlungsstränge täuschen zwar Komplexität vor, doch steckt nicht wirklich Substanz dahinter. Gleiches lässt sich auch über die Dialoge sagen: Diese sind streckenweise ellenlang und man merkt regelrecht, wie die Macher in ihnen offenbar Wichtiges zum Besten geben wollen, mehr als Platitüden und sattsam bekannte Gemeinplätze kommt aber nicht dabei rüber. Zuweilen wird es sogar richtig ärgerlich, wenn z.B. ausgerechnet Daredevil dem Punisher ins Gewissen redet und ihn wichtigtuerisch darüber aufklärt, dass er nicht das Gesetz sei. Ihn selbst hindert diese Erkenntnis aber nicht daran, Leute zu Krüppeln zu prügeln. Ja, er ist schon ein ziemlicher Heuchler, der blinde Kämpfer für Gerechtigkeit.
Überhaupt gibt es wohl kaum einen nervigeren Superhelden als Daredevil bzw. sein Zivilpendant Matt Murdock. Dieser vigilante Moralapostel entpuppt sich nämlich als ziemlich unverlässliches Kameradenschwein, der ständig mit zitternder Stimme die Notwendigkeit seiner dubiosen Handlungen beteuert, seine Freunde aber kontinuierlich im Stich lässt.
Da ist es kein Wunder, dass ihm der Punisher und Elektra mit Leichtigkeit die Butter vom Brot nehmen. Ich bitte um eigene Serien für die beiden, der Daredevil hingegen darf sich meinetwegen gerne ins Zivilleben zurückziehen.
Knappe








