Chopper
Eine skurrile fake-Biographie über ein zutiefst geistesgestörtes Subjekt namens Chopper, das auf Teufel komm raus Australiens berühmt berüchtigster Gangster werden will und dafür - natürlich - über Leichen geht. Doch eigentlich ist er nur auf die "Publicity" aus und die Taten fallen ihm schwer, er ist zwar cholerisch bis zum geht nicht mehr, doch gleichermaßen entsetzt über sich selbst nach vollendeten Taten. So fährt er beispielsweise jemanden, nachdem er auf ihn geschossen hat, noch bis zum Krankenhaus - und will das später nicht mehr wahrhaben ("was, ich habe ihn angeschossen und soll ihn dann noch zum krankenhaus gefahren haben?! Was würde das für einen Sinn machen?"), denn er will ja sein hartes Image aufrecht erhalten. Das kommt alles ziemlich eigenartig rüber und enthält, wenn man so will, zudem ein paar Anleihen an "Natural Born Killers", wenn auch das ganze nicht so stark auf Mediensatire ausgelegt ist. Eric Bana spielt in diesem Drama um die von ihm derartig verstört-realistisch dargestellte Figur als wolle er riskieren, dass ihm nie wieder jemand in zukunft ruhig gegenüber sitzen kann ohne Angst haben zu müssen, jederzeit in den Lauf seiner gezückten Wumme blicken zu müssen. Inszenatorisch ist das ganze ebenfalls gut gelungen, die Gefängnis-, Bar- oder Wohnungssettings bieten den Raum für die von Drogen verlangsamten Panne-Dialoge, mit Rückblenden werden die Geschichten von Chopper der Polizei gegenüber verschiedentlich gesponnen und die Effekte sind sehr fein gelungen. Ein insgesamt runder Film - nur die Person Chopper ist und bleibt krank und hat eine penetrante Selbstdarstellerische Ader. Ob man ihr auf den Leim geht oder nicht (wie teilweise die Wärter und natürlich die Medien), ist aber nicht die Frage. Wohl eher, wie dieses verkommene Subjekt diese Aufmerksamkeit erhalten kann und wie sich dieses Phänomen im Laufe der ja nunmehr mehrer Dekaden langen Zeit von Serienkillerhysterien und -faszinationen sich immer wiederholt. Und dabei ist Chopper nichtmal ein "echter", sondern eher ein krankhafter Trittbrettfahrer, dem es nach Aufmerksamkeit dürstet. Am wohlsten scheint er sich demnach in den Szenen zu fühlen, in denen er hinter Gitter in seiner sicheren Zelle sitzt und am Fernseher bei Nachrichten über sich stolz dümmliche Kommentare dazwischenblökt wähend im zwei naive Wärter fasziniert über die Schulter schauen...
Vom Regisseur Andrew Dominik kommt, 7 Jahre nach Chopper wohl wieder sein erster Kinofilm, übrigens scheinbar dieses Jahr "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" mit Brad Pitt in der Hauptrolle in die Kinos, na da bin ich ja mal gespannt
